Meinung

Wie ich zu zwei Pässen, und die zwei Pässe zu ihrer Meinung kamen

Binationale Ehe, ausgewandert, konvertiert zum Judentum - was würde man erwarten? Wahrscheinlich daß ich aktive Antifaschistin, Berufsbetroffene, Sühnezeichnerin und Rassismus-Anprangerin bin. Da ich meine Religion verlassen habe, muß ich einen Groll hegen gegen Christentum und Kirche. Als Einwanderin müßte ich mitfühlend mit allen Einwanderern sein, die aus tiefer Not die EU anpeilen. Und als Angehörige einer verfolgten Minderheit müßte ich vor allem dem Islam zugetan sein, wo doch auch er bittersten Verfolgungen ausgesetzt wird. Und in Israel natürlich mindestens bei Gusch Schalom aktiv. Wehret den Anfängen? So nicht!

Was ich nicht mag, läßt sich schnell aufzählen:

  • Islamisten- und Terroristenversteher
  • Grüne
  • Tote-Juden-Verehrer und gleichzeitig Israel-Kritisierer
  • Religionsfanatische Konvertiten, egal wohin
  • Integrationsrenitente Einwanderer
  • Kirchenhasser
  • Selbsthassende Anti-Europäer und Anti-Deutsche

Aber warum das um alles in der Welt? Hier steht ausgeführt, warum ich plötzliche merkte, daß ich ein Bösmensch bin. :twisted:

Ein Webforum mit Folgen

Am Anfang war ich eine Studentin mit einer Fernbeziehung zu einem Israeli, den ich über das Internet kennengelernt hatte. Politisch war ich wenig interessiert. Meine Meinungen zu Israel und Judentum waren durchschnittlich. Ein “Bewußtsein” war natürlich da, aber kein politisches, sondern eben das, was man so in Schule und Studium über Juden denkt und hört - hauptsächlich ging es um den Holocaust.

Ich hatte auch Religionsunterricht gehabt - katholischen -, und im Rückblick erinnere ich mich an das, was uns damals als Judentum präsentiert und diktiert wurde. Es war alles im Präteritum.

Später zog ich nach Israel und begann zum Judentum beizutreten (wie, warum und wieso steht unter “Meine Geschichte” erklärt.) Im Zuge dessen suchte ich Rat im Internet, mangels deutsch- oder englischsprachiger Ansprechpartner in Israel. Glücklicherweise gibt es etliche Diskussionsgruppen zum Thema Übertritt, die online auch sehr präsent sind. Interessanterweise sollten ausgerechnet sie eine Rolle bei meinem “Selbstentdeckungsprozeß” spielen.

Diese Diskussionen waren auf Deutsch. Es waren einige dabei, die schon recht lange ihren Übertritt hinter sich gebracht hatten und jetzt ein religiöses, jüdisches Leben in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder in den USA und anderen Ländern führen. Ich fühlte mich zu diesen Menschen hinzugezogen, weil ich annahm, wir hätten viel gemeinsam und sie würden mir bei meinem eigenen Weg helfen. Anfangs war das auch so. Ich fand das Thema faszinierend und bewunderte jeden, der diesen Schritt getan hatte. Damals war ich ziemlich verliebt und dadurch wohl leicht vernebelt - ich fand es superromantisch und sehr spannend, Jude zu werden! :oops:

Im Laufe der Zeit, als das Vorhaben konkreter wurde und seine Romantik sich in Realität wandelte, fiel mir immer mehr auf, daß in diesen Gruppen mehrheitlich eine ganz distinkte Version jüdischer Identität vertreten wurde. Das Hauptmerkmal war die Verortung als Minderheit innerhalb der christlichen Mehrheit. Das ergibt auch Sinn: In der Diaspora sind Juden natürlich eine Minderheit, überall. Dieses bringt Probleme mit sich, die jede Minderheit kennt. Insbesondere in Deutschland. Eine Beziehung zu Israel war in diesen virtuellen Zirkeln der Konvertierenden und Konvertierten eher wenig vorhanden oder zumindest nebensächlich, teilweise sogar im Gegenteil, einige prominente Teilnehmer sahen sich in einer Art Distanzierungspflicht.

Ich, als ehemalige Studentin der Geisteswissenschaften, welche fast überall als ein Pool linker Meinungsmache gelten, empfand diese Haltung als natürlich und selbstverständlich. Ich vertrat eine starke Friedensposition, wenn es um Israel ging, sowohl gegenüber Bekannten als auch online, stellte immer alles richtig, und war sehr erpicht darauf, ein “schönes” Israelbild zu liefern, d. h. ein friedliebendes, nicht rassistisches, nicht militaristisches, einfach ein perfektes.

Christen als böse, Moslems als Opfer

Damals hatte ich, auch verstärkt durch den virtuellen Kontakt mit diesen Gruppen, eine positive Haltung gegenüber dem Islam oder überhaupt Einwanderung (in die EU) . Die Ursache ist, daß auch die Moslems in Europa eine Minderheit bilden, ganz analog zu Juden. Offenbar führt das zu einer Art Solidarität, die sich auch daraus speist, daß die christliche Mehrheitskultur als feindlich oder gar fremdenfeindlich und rassistisch wahrgenommen wird. Außerdem war ich ja selbst auch fremd, hatte also alle Gründe, mich mit diesen Menschen zu solidarisieren.

In diesem Weltbild treten Moslems und Juden als Opfer auf, während die Christen als Täter definiert werden. Sehr beliebte Bilder sind die Kreuzzüge, die die Christen als Böslinge und Juden und Moslems als Opfer zeigen. Oder das maurische Spanien, das als “Ort des überlegenen Menschtums” Religionsfreiheit gewährt haben soll, welches von der bösen Reconquista zerstört wurde. Es bildet sich so eine gedankliche Dichotomie, bei der Juden und Moslems als die Gegenbilder von christlichen Deutschen gesehen werden. Dieses dämmerte mir langsam. Irgendetwas paßte da nicht zusammen. Warum vertraten so viele solche Meinungen? Und vor allem in Kreisen, die andere Religionen annahmen - aus “nur religiösen Gründen”?

Der 11. September als Einschnitt

Am 11. September 2001 war ich gerade aus dem Flieger gestiegen, in meiner Heimatstadt, und wartete auf meinen Freund, der später nachkommen wollte. In Israel waren die Flughäfen gesperrt. Niemand wußte wie es weitergeht. An diesem Tag war ich überzeugt, daß ich nie wieder sehen würde. Damals hat sich einiges für mich geändert. Es war, als wäre der dritte Weltkrieg ausgebrochen. Mit den Türmen stürzte auch die Idee vom Frieden wie in Kartenhaus zusammen. Ich war auf einmal kein Pazifist mehr. Ich glaubte nicht mehr an den friedlichen Islam. Und ich hatte Angst, nicht nur um mich, sondern vor allem um meinen Freund. Sollte Krieg ausbrechen, würde er einrücken müssen. Alleine diese Vorstellung ist so unglaublich für jemanden, der nur von den Großeltern vom Krieg erzählt bekommen hat.

Im Laufe der Jahre änderte sich meine politische Haltung drastisch.

Ich lebte mich in Israel mehr ein, bekam mehr mit, was politisch wirklich Sache ist. Die Intifada von 2000 und der Irakkrieg trugen nicht unbedingt dazu bei, in mir Friedensliebe zu pflanzen. Ein Weglaufen kam aber nicht in Frage.

Sobald sich die Sprache verbesserte, tauchte ich mehr ins Leben ein, hielt aber weiterhin Kontakt mit deutschsprachigen Menschen. (Ich brauche den schriftlichen Ausdruck in meiner Sprache.) Ich erlebte am eigenen Leib, daß der radikale Islam eine Fratze ist, die nicht nur halluziniert wird und den Verschwörungstheorien irgendwelcher Rassisten entspringt. Die Feindschaft ist echt, der Haß ist echt.

Einen weiteren Wendepunkt in meiner Meinungsbildung brachten auch die Mohammedkarikaturen. Davor war ich überzeugt, daß der türkische Islam die Chance hat, wegen seiner Ferne zur arabischen Kultur einen Wandel durchzumachen und einer Aufklärung entgegenzustreben. Damals war ich noch für einen Türkei-Beitritt zur EU! Doch als der Skandal mit den Mohammedkarikaturen zu Ausschreitungen quer durch Europa führte, an denen Türken teilnahmen, war ich baff. Ich erinnere mich noch, daß meine Großmutter mir am Telefon berichtete, daß seit Wochen keine Zeitungen mehr geliefert würden, da die vornehmlich türkischen Lieferanten streikten. Sie streikten wegen den Mohammedkarikaturen. Auch in ihrer Stadt, eigentlich mehr ein Dorf, fanden Demos statt - von Türken.

Es waren viele kleine Bausteine, die meine Meinung zum Islam, dem Christentum und der Nahostpolitik änderten. Und längst nicht alle haben damit zu tun, daß ich in Israel lebte.

Virtuelle Welt: Abschied und Neuanfang

Dann kam es zum Bruch mit meinen nicht nur virtuellen Freunden aus der Konversionsgruppe (manche kannte ich persönlich!), da meine Situation sich grundsätzlich von denen der anderen unterschied: Ich bin nicht Jüdin geworden, um einer Minderheit anzugehören, sondern im Gegenteil, um mich zu integrieren. Integration, welches immer auch Anpassung beinhaltet, ist für mich kein Schimpfwort. Es ist eine Notwendigkeit, ein Bekenntnis, oder besser gesagt: Eine Konsequenz. Als Einwanderer habe ich selbst erfahren, daß Integration eine Eigenleistung ist und daß es sinnlos ist, der Gesellschaft die Schuld zu geben, wenn es nicht so klappt wie man möchte.

Dieses wurde mir immer mehr bewußt. Ich und die Mitglieder dieser Online-Clique waren völlig anders, ich paßte dort nicht dazu. Es war vorprogrammiert, daß diese Bombe irgendwann hochgehen mußte. Irgendwann kam es zum Streit, ich bin verbal ausfällig geworden und dann deswegen rausgeflogen. End of story.

Dann entstand dieses Blog.

Der Bruch mit diesen Menschen, die mir früher viel bedeutet haben, öffnete aber meine Augen. Zum ersten Mal war mir sonnenklar, wer ich eigentlich bin. Jahrelang habe ich mich beeinflussen lassen von den Übertrittsgeschichten diverser Leute, habe mitfühlend ihren Kämpfen um ein koscheres Essen am Arbeitsplatz gelauscht, ihren halluzinierten Antisemitismus-Episoden geglaubt, und ihre unterschwellige, immer wieder durchbrechende Ablehnung gegen alles Christliche als völlig gerechtfertigte Reaktion akzeptiert. Und ihrer grundsätzlichen Solidarität mit dem Islam habe ich zugestimmt.

Erkenntnis

Warum aber soll ich einen Haß auf das Christentum hegen? Je länger ich in Israel bin, desto mehr bemerke ich, daß die Dichotomie zwischen Christen und Juden ins Mittelalter gehört. In unseren beiden Familien kommen Christen und Juden zusammen, und bis auf anfängliche Krisen klappt das ganz gut. Die einzigen wirklich israelsolidarischen Menschen sind konservative Christen - das ist leider die Wahrheit.

Von wievielen Menschen hört man, sie traten aus der Kirche aus, weil sie “es mit dem Gewissen nicht vereinbaren können”, Mitglied bei diesem “Verein” zu sein (wegen Kreuzzügen, Hexenverbrennungen). Aber mit dem Gewissen ist vereinbar, dem Bau einer Moschee zuzustimmen? Was hat diese Religion auf dem Kerbholz: Die Unterwerfung halb Europas, Massenmord, Massenvergewaltigungen und die Einrichtung eines totalitären Religionsstaates von Spanien bis Griechenland. Ist das nicht absurd? Ich habe es schon einmal hier erwähnt: Wenn ich nicht Jüdin wäre, würde ich wieder eintreten. Nicht aus Gläubigkeit, sondern einfach aus Solidarität.

Und der Islam? Warum um alles in der Welt muß ich Moslems aus der Türkei, Afrika und Fernost allesamt liebhaben und ihre Einwanderung in die gesamte EU gutheißen? Warum muß ich für den Beitritt der Türkei sein? Warum muß ich es begrüßen, wenn wieder eine bombastische Moschee in Deutschland gebaut wird? Warum darf ich nicht ein wenig rassistisch sein und Menschen nach ihren Herkunftsländern einteilen? Warum darf ich nichts rechts sein (nicht rechtsextrem! - meistens wird es synonym gebraucht, da es keine ernstzunehmende Rechte gibt)? Nur weil ich Jüdin bin? Oder es geworden bin? Weil Juden eine Minderheit in Europa sind und als solche die Moslems lieben müssen? Oder gar weil mein Großvater ein Nazi war und ich daher alle Minderheiten unterstützen muß, egal was sie selbst tun? Das sehe ich alles nicht ein. Im Gegenteil: Es ist absurd. Es widerspricht sich. Der radikale Islam ist heute der einzige Feind des Judentums, der seine Vernichtung angekündigt hat. Das gab es das letzte Mal unter Hitler. Egal ob als Jude oder Freund des Judentums - wer kann das ignorieren?

Um dem Islam kritisch gegenüber zu stehen, braucht man aber kein Jude zu sein, und auch kein halluzinierender Philosemit, der denkt, es riecht nach Rosen, wenn ein Jude furzt. Es reicht, daß man Kuffar ist, ein Ungläubiger laut Scharia, der straflos umgebracht werden darf, ein potentieller Dhimmi, der sich durch Tributzahlung dem Tod loskauft - und das sind Christen auch!

Der Kreis schließt sich

Aus religiöser Sicht hat es definitiv einen Unterschied gemacht, daß ich Jüdin geworden bin. Es ist ein Bekenntnis zu diesem Land, Konsequenz, Integration. Es gibt etliche Dinge, die ich aus rein religiösen Gründen nicht tun würde wie z.B. mich in einer Kirche bücken, mitbeten oder Kreuze in der Wohnung dulden. Und doch ist das kein Haß auf alles Christliche, noch ein Ablegen irgendeiner Identität. Ich will nicht deswegen keine Kreuze im Haus, weil die Kreuzfahrer solche unglaublichen Schweine waren (und die Türken an die Tore Wiens nur “Kipferln” - halbmondförmiges Gebäck - brachten), sondern weil wir in Israel sind und keine Kreuze haben wollen. Ich will auch keine Buddhastatuen im Haus.

Aus politischer Sicht stehe ich auf der Seite der Christen, und mit dem Papst, als er es wagte, die friedliche Fassade des Islam anzukratzen. Ich bin für ein christliches Europa - nicht im religiösen Sinne, aber im kulturellen. Vor etlichen Jahren hätte ich mir das nicht träumen lassen.

(Man mag fragen: Wohin dann mit den Juden in Europa? Als zionistisch gehirngewaschener Israeli sage ich natürlich: Nach Israel.)

Kleiner Aufschrei

In Europa läuft die größte Propagandamaschinerie seit Hitler. Der gesamte Kontinent wird auf Linie gebracht. Man braucht sich nur irgendein beliebiges popeliges Internetforum ansehen: Nicht nur daß es immer mehr Mohammeds und Omars gibt, die perfektes Deutsch schreiben. Jede kritische Stimme zum Islam wird gnadenlos ausgemerzt. Islamischer Antisemitismus und Rassismus wird totgeschwiegen. Nach und nach schlittert Europa dem Dhimmitum entgegen, dem hochgelobten maurischen Spanien, und die meisten können es offenbar kaum erwarten. Dabei geht es nicht um Israel. Es gibt keine moralische Pflicht (auch nicht “als Deutscher”) gegenüber Israel, nicht gegenüber irgendwem. Wer irgendetwas nur aus Pflichtgefühl tut, wird es nur solange tun, bis er diese Pflicht sehen kann.

Stattdessen sollte Europa besser aufwachen und im eigenen Sinne (nicht aus Pflicht gegenüber Israel) seinen eigenen Arsch zu retten versuchen, solange es noch geht.

Es macht einfach keinen Unterschied, ob ich jetzt Christin bin mit nur einem Paß, oder Jüdin mit zwei. Es ist einerlei. Ich habe dieselbe, eine, Meinung!

3 Antworten zu “Meinung”

  1. Gerrit sagt:

    Hallo Schmetterlingsfrau,

    Ich könnte jetzt ‘ne Menge über ihren Blog schreiben.
    Ich beschränke es auch 2 Sätze.

    Ich lese oft und nahezu täglich in verschiedenen Blogs.
    Bei ihren bin ich jetzt geschlagene 2 Std hängen geblieben und muss jetzt
    ganz schön viel Arbeit nachholen.

    Danke und Shalom :-) Gerrit

  2. Sonja sagt:

    Vielleicht sollte man etwas mehr über die den Muslimen gebotene List gegenüber Nichtmuslimen schreiben. Was Taqiyah ist, weiß ja bei uns kein Mensch.
    Wir befassen uns mit dem Islam viel zu wenig. Der Islam ist mit Demokratie unvereinbar. Aber sagen sie das jemandem, und sie werden von allen Seiten angefeindet.

    Unsere westliche Kultur ist in Gefahr und keiner merkt es. Wir schaufeln uns munter unser eigenes Grab.

    lG
    Sonja

  3. Anika sagt:

    Servus Schmetterlingsfrau,
    ueber deinen Block habe ich mich koeniglich amuesiert! Sababa.
    Trotzdem noch ein paar praktische Fragen: wieeeeeeeeeeeeee genau hast du denn als Touristin gearbeitet bzw arbeiten lassen? Wuerde mich ja brennend interessieren. Habe auch binationale Beziehung, ebenso eine polnisch-juedische Mama seinerseits und aus der Kirche bin ich leider auch ausgetreten. Haette bei euch nicht einfach eine Heirat gereicht um eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen? Und wie lange kann man denn als Nichtjude ausserhalb des kibbutz ueberhaupt ueberleben? Wird man ueberhaupt von groesseren Firmen gesponsort wenn man special skills bringt die niemand hier hat? Ich hoerte mal von einem Visum fuer special skills, aber so richtig bestaetigen kann mir hier das natuerlich niemand. Und ich glaube der Drache beim Ministry of Interior mag mich nicht wirklich….:-)
    Ueber eine Antwort an obige Email Adresse freue ich mich natuerlich.
    Pfirdi!
    Anika
    PS: Ich habe kein Kontaktformular gefunden, deswegen also ueber den ‘comment’ button.

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