Nach langer Zeit schreibe ich wieder einen Eintrag - ich bin etwas schreibfaul geworden bzw. beschäftigter, eine Sache der Perspektive
Ich bin vor ein paar Tagen von Spanien zurückgekehrt. Eine Begebenheit trug sich zu, eine winzige Kleinigkeitkeit, die ich als blogworthy eingestuft habe. Dabei geht es - natürlich passend zu meinem Lieblingsthema - um Terrorismus, genauer gesagt, den (aussichtslosen?) Kampf dagegen.
Wie jeder Israeltourist weiß, wenden israelische Sicherheitskräfte am Flughafen Profiling an, unter anderem rassisches Profiling (racial profiling), welches gemeinhin als menschenrechtsverletzend eingestuft wird (einfach ein beliebiges Webforum, einen Stammtisch oder eine Leserbriefseite aufschlagen). Israelisches Profiling läuft sehr subtil ab. Mit ein zwei Fragen, ein zwei Blicken wird jeder Passagier in eine Schublade gesteckt. Dabei wird einfach danach vorgegangen, was in der jeweiligen Situation am naheliegendsten ist. (Je nach Ausgangslage gehe ich denn entweder sofort als Israelin durch oder bin Touristin, Studentin etc. Die Trefferquote liegt derzeit bei ca. 50%. Ich mache mir einen Spaß daraus.) Was aber jedem Idioten sofort auffällt ist, daß Araber herausgepickt und offensichtlich genauer untersucht werden.
Als wir den Flughafen in Tel Aviv betraten, würdigte der Sicherheitsmann die Eintretenden kaum eines Blickes (so sah es aus), aber der einzige Araber weit und breit wurde von ihm angehalten, mußte seine Papiere zeigen und wurde befragt.
Rassismus pur eben - das kann es nur in Israel geben. Wie jeder weiß, finden diese Schikanen nur aus dem Grund statt, Araber zu demütigen. Andere Gründe gibt es nicht…
Aber ach. Dann kam der Rückflug aus Spanien. Ein relativ großer Flughafen. Die israelischen Passagiere für die Chartermaschine warten schon ungeduldig. Vor dem Boarding findet eine letzte Augenkontrolle statt, durch spanische Uniformierte, offenbar Grenzpolizei. Alle gehen an den beiden Männern vorbei, niemand wird auch nur angesprochen. Bis auf das arabische junge Paar, das in einer Reisegruppe (!) unterwegs war. Sie wurden angehalten, mußten ihre Handgepäcksstücke aufmachen und Papiere zeigen.
Ein Passagier murmelte: “Siehst du. Die Spanier tun es.”
Die Spanier hatten auch bereits ihren Anteil an Terror abgekriegt. Erst wenn es einem selbst an den Kragen geht, wird einem bewußt, daß hehre Ideale vom Verbot von Diskriminierung kein Leben retten. Das Untersuchen von jungen männlichen Arabern aber schon.
Natürlich fragt man sich, wie die sich wohl dabei fühlen müssen.
Ich stelle mir vor, daß es nicht viel anders ist, als wenn man als Europäer, EU-Bürger, Konvertit zum Judentum und israelischer Staatsbürger, der alleine reist und tonnenweise Gepäck mithat, ebenso durchsucht wird. So ergeht es mir sehr oft. Aber übelnehmen kann ich es niemandem, weil ich weiß, wieviele araberverliebte Peaceniks es in Europa gibt. Deutsche Mädels mit einem arabischen Freund, evt. islamisch geworden? Gibt es alles. Woher soll man wissen, ob eine bestimmte Person nicht zu diesem Kreis gehört? Riechen kann man es nicht, auf welcher Seite jemand steht. Deswegen gibt es Profiling. Es ist angewandtes Vorurteil, praktisch umgesetzte Pauschalisierung, Diskriminierung mit voller Absicht. Sowohl Araber als auch Europäer wie ich haben die Behandlung jenen zu verdanken, die sie notwendig machten.
Aber ich lasse mich lieber für fünf Minuten in eine ungeliebte Schublade stecken und von einem israelischen Sicherheitsbeamten schief ansehen als dann in den Gewehrlauf eines Terroristen sehen zu müssen, welchem es wahrscheinlich egal ist, woher ich komme. Die diskriminieren nämlich nicht.
Verfasst von schmetterlingsfrau