Was ein Jude ist, wurde immer schon davon mitbestimmt (oder überhaupt bestimmt), wie die Judenhasser einen definieren. Die grundlegenden Mechanismen und das Wesen des Judenhasses sind gleich geblieben. Das Gewand hat sich lediglich der Mode angepaßt.
Antisemitismus nach Nazimanier ist überholt, verpönt, und manche Meinungsäußerungen sind sogar verboten. So ernst nimmt man ihn. Wer gegen die jüdische Religion wettert, wird vielleicht als Kirchenspinner und Extremist belächelt. Alle sind sich einig, daß man nichts mehr gegen Juden hat, sind sie doch eine Glaubensgemeinschaft wie alle anderen auch, gleichberechtigt, mit Zentralrat. Kaum jemand würde allen ernstes behaupten, Synagogen sollten verschwinden, und dieses gar als Politikum in den Wahlkampf werfen. Das wäre der sichere soziale Tod für denjenigen.
Wenn man aber tiefer gräbt, zeigt sich ein völlig anderes Bild.
Es ist inzwischen in aller Munde, daß die Judenfeindschaft drei Phasen durchgemacht hat:
In der religiösen Phase, als die ganze Welt noch aus Gottesstaaten bestand, und das Christentum die herrschende Ideologie war, war die jüdische Religion das Ziel des Hasses.
In der wissenschaftlich-atheistischen Phase, als neu entdeckte Prinzipien wie der Darwinismus ideologisch erhöht wurden, sah man den Menschen in unveränderlichen Rassen aufgeteilt. Eine jüdische Rasse war als Ziel des Hasses ausgesucht worden.
Heute haben wir beides hinter uns gelassen. Weder religiöser Fanatismus noch blinde Gläubigkeit in Pseudowissenschaften bestimmt das Denken. Die Grauen des NS-Regimes haben die moralisch-politische Phase gebracht. Ziel des Judenhasses ist heute der jüdische Staat.
Die Kritikpunkte der Hasser haben sich dementsprechend geändert: Von der verstockten jüdischen Religion, die den Heiland ablehnt, ging es über zu einer parasitären Rasse, um schließlich in der moralisch verwerflichen Politik des jüdischen Staates zu enden. Es gibt immer etwas zu kritisieren an diesen Juden. Die machen es nie richtig. Und ironischerweise sind es immer die Deutschen und ihre Gefolgsleute, die sich besonders als das Herrenvolk hervortaten. Früher durch eine besonders arische Rasse, der die Juden mit ihren Hakennasen nicht beikommen konnten, heute durch eine besonders moralische Politik, die Angriffskriege verurteilt und die ethischste Armee der Welt hervorgebracht hat (eine, die nicht kämpft). Und die Juden? Führen und gewinnen eine Krieg nach dem anderen.
Parallel dazu gab es immer Auflagen, was ein Jude zu tun hat, als guter Jude akzeptiert zu werden, und nicht vernichtet zu werden - sei es konkret als Toter zu enden, oder übertragen im sozialen Sinne, ausgeschlossen zu sein. Am Anfang war es die Taufe. In der Rassenphase halfen nichtjüdische Vorfahren bei einem milderen Urteil (selten - denn die Definition sieht eine Assimilation nicht vor). Heute hilft das alles nichts. Dem modernen Judenhasser ist es egal an was man glaubt oder was man für Vorfahren hat. Um akzeptiert zu werden, muß man sich von Israel distanzieren, seine Politik relativieren, bzw. den Nahostkonflikt neutral betrachten. Sprich, man muß einen arabischen Standpunkt einnehmen, dann ist man ein guter, assimilierter Jude. Das entspricht haargenau der Taufe.
Dem Judenhasser war es auch von Anfang an egal, wie Juden selbst die Zugehörigkeit zum Judentum bestimmen. Das wurde immer schon von den Antisemiten übernommen. Nachkommen von männlichen Juden galten bei den Nazis als Juden, obwohl sie es nicht sind. Analog dazu werden heute alle möglichen Leute als Juden bezeichnet, sobald sie sich positiv zu Israel äußern.
Trotz aller Veränderungen im Gewand sieht der Judenhaß immer noch so verdammt gleich aus.
Zum dritten, das man jnen nehme all jre Betbüchlein und Thalmudisten, darin solche Abgötterey, lügen, fluch und lesterung geleret wird. – Zum vierten, das man jren Rabinen bey leib und leben verbiete, hinfurt zu leren.
… sprach Martin Luther 1543 - das ist die erste Phase.
“Den gewaltigsten Gegensatz zum Arier bildet der Jude.” “Er (der Jude) ist und bleibt ein Parasit, ein Schmarotzer, der wie ein schädlicher Bazillus sich ausbreitet …”
… Sprach Adolf Hilter 1938 - das ist die zweite Phase.
“Die Zionisten sind die wahre Manifestation des Teufels. Viele westliche Regierungen, die von sich behaupten Pioniere in Sachen Demokratie und Menschenrechten zu sein, verschließen die Augen vor den Verbrechen, die die Zionisten begehen.”
… spricht Machmud Achmedinedschad 2007 - das ist die dritte Phase.
Die Zitate haben eines gemeinsam: Sie sprechen den Zeitgeist an, das Paradigma, das die Mehrheit der Bevölkerung für richtig hält und das die grundlegenden Werte bestimmt. In einer Gesellschaft, in der religiöse Konflikte das Tagesgeschehen bestimmen und das Christentum die anerkannten Wertekoordinaten liefert, dürfte es wenig Empörung verursachen, wenn jemand sagt, die jüdische Religion wäre des Teufels. Was sollte sie sonst sein - steht sie doch dem einzig anerkannten Ideal des Guten, Schönen und Wahren derart entgegen?
In einer Zeit, in der die Biologie Aufschwünge erlebt und die Industrialisierung zeigt, daß rationales, naturwissenschaftliches Denken zielführend ist, sind Aussagen über Bazillen und menschliche Rassen höchstwahrscheinlich nicht als besorgniserregend einzustufen. Wenn körperliche Fitneß und Volksgesundheit, die Einheit von Blut und Boden und körperliche, auf sozialistischen Ideen aufgebaute Vorstellungen von Arbeit das Ideal des Guten sind, was sollen Juden, fremd im fremden Land, häufig in geistigen und finanziellen Berufen, dann anderes sein als schmarotzende Bazillen?
Und schließlich in der Post-Auschwitz-Zeit: Wenn das einzig anerkannte Ideal des Guten, Schönen und Wahren der totale Pazifismus, die Bekämpfung von Nationalstaaten, Sozialismus und Multikulti ist, was soll der jüdische Staat sein, mit seiner besten Armee der Welt und seinem Manifest, ein jüdischer Staat sein zu wollen? Was soll er sonst sein, wenn nicht der Hort von Kriegsverbrechen, Unrecht und Wertelosigkeit, geistiger und politischer gleichermaßen?
Das Wesen des Antisemitismus ist, daß der Jude zur Projektionsfläche von all dem gemacht wird, das dem Ideal des Guten zuwiderläuft. Judenhaß war nie eine Sache, die man hinter vorgehaltener Hand ausdrücken mußte. Im Gegenteil, er war immer schon völlig normaler Teil jeglichen Diskurses. Daher wird man keine berühmte Persönlichkeit finden, von Wilhelm Busch bis Ford, Wagner bis eben Luther, welche sich nicht antisemitisch geäußert hätte. Das war normal, akzeptiert und sogar erwünscht.
Heute hat sich daran nichts, überhaupt nichts, geändert. Wer in irgendeiner Weise in Europa Erfolg haben will, ist geradezu gezwungen, sich antifaschistisch, antirassistisch, und somit antiamerikanisch und antizionistisch zu äußern. Es wird von einem Vertreter des einzig anerkannten Ideals des Guten, Schönen und Wahren erwartet. Juden nicht zu mögen war immer schon politisch korrekt. Man darf sich nur nicht davon blenden lassen, wenn wieder irgendein deutscher Politiker in Jad Waschem seinen Pflichtkranz absetzt oder sich wieder jemand berufsempört, wenn ein Hakenkreuz (verkehrtrum) auf einem jüdischen Grabstein prangt. (Letzteres muß natürlich von rechten Glatzen stammen. Waren jugendliche Intensivtäter mit Migrationshintergrund die Ursache, gilt es nicht.) Oder wenn in einem Religionsforum ein christlicher Fundi zusammengefaltet wird, weil er antijudaistische Klischees verbreitet - da mutiert jeder jeder christliche Forumsempörer zum Talmudschüler. Diese Dinge sind Ausdrucksformen von längst vergangenem Judenhaß, welcher überwunden und abgelegt wurde.
Wenn man real existierenden Antisemitismus erleben will, schlage man einfach die Leserbriefseite zum Thema Nahostkonflikt auf. Oder man besucht ein beliebiges Webforum zu polischen Themen. Wer sich mainstreamig und pc gibt, plappert brav nach, was der Führer Achmedinedschad ihnen sagt - einfach, weil es die einzig anerkannte Haltung ist, die nicht dem einzig anerkannten Ideal des Guten, Schönen und Wahren entgegenläuft. Und Achmedinedschad weiß das offenbar.
Donnerstag, 1. März 2007 um 20:31
B”H
Was mich immer wieder neu erstaunt ist die Unkenntnis ueber das Judentum. Das beginnt schon bei ganz leichten Dingen wie, dass wir kein Weihnachten feiern. Der Antisemitismus nimmt laut Statistiken zu, doch kaum jemand weiss richtig Bescheid ueber das Judentum.
Zu deiner historischen Aufzaehlung moechte ich noch Folgendes hinzufuegen: Der Lehrer Rashis (Rashi = Rabbi Shlomo Yitzchaki, 11. Jahrh.) konnte niemals den Talmud Traktat Avodah Zarah (Goetzendienst) lernen, denn die Kirche hatte schon laengst diesen Traktat verbrennen lassen. Der Inhalt wurde als rassistisch den Christen gegenueber betrachtet.
Nur muss man eines bedenken: Der Traktat des Babylonischen Talmudes, um den es in erster Linie geht, wurde in Babylon geschrieben und befasst sich ueberwiegend mit dem babylonischen bzw. roemischen Goetzendienst.
Deine Bemerkung mit dem Pflichtkranz ablegen in Yad Vashem kann ich nur bestaetigen.
Miriam
Freitag, 2. März 2007 um 18:09
Ich persönlich meine ja, daß man durchaus die Politik Israels kritisieren kann, ohne hierdurch gleich ein Antisemit zu sein. Das scheint mir zu einfach.
Aber eines verstehe ich absolut nicht:
“Wer in irgendeiner Weise in Europa Erfolg haben will, ist geradezu gezwungen, sich antifaschistisch, antirassistisch, und somit antiamerikanisch und antizionistisch zu äußern”
Heißt das, Israel oder die USA (Amerika) seinen faschistisch und rassistisch? Ist man antiamerikanisch, wenn man gegen Faschismus ist und antizionistisch wenn man nicht nach Rassen wertet? Ich bin jedenfalls keinesfalls der Auffassung, daß sich Amerikaner oder Juden dadurch auszeichen, Faschisten oder Rassisten zu sein, selbst wenn ich mich manchmal an bestimmten politischen Entscheidungen stoße.
Vielleicht habe ich dies ja auch nur falsch verstanden.
Freitag, 2. März 2007 um 19:18
Wenn mein Bruder mal richtig provozieren will, dann läuft er in Deutschland mit einem Zahal-T-shirt rum, das er sich hier gekauft hat. Auch kleine Israel-Flaggen kauft er gern ein und hat Spaß daran, wie die Leute schäumen. Es gibt so eine bestimmte Art moralischen Zorn, der ohne Israel-Bezug nicht richtig in Schwung kommt.
Komisch, nicht wahr, daß all diese Moralisten NUR über Israel so empört sind. Das hat aber mit Antisemitismus nichts zu tun… gar nichts.
Freitag, 2. März 2007 um 22:15
@Frank
“Heißt das, Israel oder die USA (Amerika) seinen faschistisch und rassistisch?” Natürlich sind sie das - aus Sicht der pazifistischen Gutmenschen nämlich, die diesen Meinungsterror ausüben. Schon vergessen, die Scharon=Hitler-Transparente neben den PACE-Regenbogenflaggen?
Freitag, 2. März 2007 um 22:22
“Wenn mein Bruder mal richtig provozieren will, dann läuft er in Deutschland mit einem Zahal-T-shirt rum”
Meinem Vater gab ich einmal ein Shirt mit nachhause, das von einem Infostand von den Friedensbewegten kam (mit hebr. Lettern) und das sonst sicher weggeworfen hätte. Was meinst du was er da zu hören bekam… Rassist etc., und das mit dem Logo von _Schalom “gebt den Arabern alles Land” Achschaw_
Samstag, 3. März 2007 um 1:46
Ich habe es aufgegeben, mich mit Antijudaisten, Antisemiten und Antizionisten
auseinanderzusetzen. Ich lebe in einer Stadt mit 300.000 Einwohnern. Die jüdische Gemeinde hat kaum mehr als 30 Mitglieder. Meinungsumfragen und Leserbriefe beweisen, dass in Bezug auf Juden die Vorurteile ewig gleich bleiben, in welcher Verkleidung sie auch sichtbar werden, mit oder ohne Juden.
Die neunen Linken, die sich den Antifaschismus auf ihre Fahnen heften und ständig darauf pochen, ja schon deshalb keine Antisemiten sein zu können, finde ich am widerlichsten. Für diese uninformierten Pseudoweltverbesserer sind die USA und Israel das Übel der Welt.
Juden stellt man auf ein Podest, um sie besser beobachten zu können. Jeder vermeintliche Fehler, den man glaubt, ihnen anlasten zu können, dient zur Rechtfertigung der eigenen vergangenen und gegenwärtigen Vorurteile.
Wir können nichts daran ändern. Finden wir uns damit ab.
Samstag, 3. März 2007 um 4:56
Dass alle, die eine pro-israelische Haltung einnehmen als Juden “diffamiert”(allein schon diese Wortwahl suggeriert, dass die Alles-Bloß-Keine-Antisemiten-Fraktion das Judentum für etwas Negatives hält; ich hab noch nie gehört, dass jemand als Christ oder als Koreaner “diffamiert” wurde) werden, habe ich nur in der “Schmuddelecke” des Antisemitismus erlebt, also bei Neo-Nazis.
Viel verbreiteter ist die Ansicht, jemand könne nur dann Jude sein, wenn er sich explizit zur jüdischen Religion bekennt und dass man nicht nicht automatisch Jude sei, wenn man jüdische Vorfahren hat(schließlich ist man ja auch nicht automatisch Christ oder Moslem, wenn die Eltern das sind). Wenn man versucht, diesen Leuten zu erklären, dass man eben doch “automatisch” Jude ist, wenn man eine jüdische Mutter hat und dass es nichts damit zu tun hat, wie oft man eine Synagoge von innen sieht, und dass man das Judentum als Stammesreligion eines Volkes nicht mit globalen Heilslehren wie Christentum oder Islam vergleichen kann, wird man erstaunlich schnell in die rassistische Ecke gestellt.
Und überhaupt ist in Deutschland die Ansicht verbreitet, dass man säkulare Jude auf keinen Fall in irgendeiner Weise als solche kennzeichnen darf. Das ist mir vor allem aufgefallen, als ich in der deutschen Wikipedia eine Diskussion gelesen habe, zum Thema, ob man die “Liste jüdischer US-Amerikaner” löschen sollte oder nicht(schließlich wurde sie gelöscht). Dass es dabei weniger um Religion als um ethnische Herkunft und Kulturelle Identität geht und dass es in der englischen Wikipedia ganz selbstverständlich eine “List of Jewish Americans”, genauso wie eine “List of Irish Americans” oder eine “List of Chinese Americans” gibt, schien niemanden zu interessieren.
Und mit einem IDF-T-Shirt in deutschland durch die Straße zu laufen, ist eine geile Idee, sollte ich spaßeshalber vielleicht auch mal versuchen
Samstag, 3. März 2007 um 21:15
@ G.G.
Viele haben ein generelles Problem mit dem jüdischen Verständnis von “Volk”, da dieses Wort nazimäßig vergiftet wurde. Zwischen Religion und Rasse scheint es eben nichts zu geben. Es ist unbegreiflich für den durchschnittlichen Michel, daß ein Mensch mit jüdischer Mutter Jude ist und einer mit jüdischem Vater nicht, auch wenn ersterer Atheist ist und letzterer jeden Tag betet. Es ist auch nicht vermittelbar, daß Juden ein Volk sind und keine Religionsgemeinschaft, und daß man trotzdem diesem Volk beitreten kann - aber nicht die jüdische Religion annehmen kann, indem man an irgendetwas glaubt. Diese Dinge sind nicht vermittelbar, da das Wort Volk im Deutschen eben mit Rasse verwechselt wird. Da kann man nichts machen außer es permanent richtigzustellen. Zur Wikipedia kann ich nur sagen, daß man sie in die Tonne kloppen kann, was das Thema Judentum angeht. Selten habe ich soviel Mist auf einem Haufen gelesen.
Donnerstag, 8. März 2007 um 18:05
Der Herr Mixa tut’s schon wieder
Zunächst schien sich die Reise ins Heilige Land noch positiv auf den Zustand der Bischöfe auszuwirken, es gab “frohe und beglückende Stunden […] irgendwo zwischen Herrenpartie und Betriebsausflug“, wie die Berliner Zeitung zu beric…
Donnerstag, 8. März 2007 um 18:24
Nicht zu vergessen auch die beliebte Volte, sich durch knackige Vergleiche der israelischen Politik mit dem Dritten Reich von der deutschen Vergangenheit zu “befreien”: frei nach dem Motto “der Jude ist ja auch nicht besser”, denn Israel verhalte sich rassistisch, begehe Kriegsverbrechen und schaffe jetzt sogar selber Ghettos für andere Völker. Das Ganze natürlich kombiniert mit der Attitüde “aber so etwas darf man ja in Deutschland eigentlich nicht sagen”, nur ich bin so mutig - siehe Herrn Möllemann oder gerade aktuell die Herren Mixa und Hanke.
Den Satz “Wer in irgendeiner Weise in Europa Erfolg haben will, ist geradezu gezwungen, sich antifaschistisch, antirassistisch, und somit antiamerikanisch und antizionistisch zu äußern” finde ich allerdings so nicht nachvollziehbar. Antifaschismus und Antirassismus ziehen nicht automatisch Antiamerikanismus oder Antizionismus nach sich. Auch wenn es manche gibt, die ihren Antisemitismus mit dem Mäntelchen “Antizionismus” oder “Antirassismus” verschleiern möchten, haben diese Kategorien keinerlei zwingenden Zusammenhang. Damit würde man es sich zu einfach machen und viele Menschen, die sich als Antifaschisten oder Antirassisten bezeichnen, ohne deshalb Israel oder die USA zu hassen, in die falsche Ecke stellen.
Freitag, 9. März 2007 um 17:48
[...] dabei unfreiwillig tiefere Schichten seines Unterbewusstseins, als ihm lieb sein kann. Wie Doppelpass zutreffend feststellt, ist das allgemein akzeptierte “Ziel des Judenhasses” heute nicht [...]
Dienstag, 27. März 2007 um 13:28
Vielen Dank! Deine Analyse zum Zusammenhang zwischen Israelhass und älteren Formen des Antisemitismus ist das Prägnanteste, was ich seit langem zu diesem Thema gelesen habe. Auf eines möchte ich noch hinweisen: Die älteren antisemitischen Stereotype verschwinden nicht einfach, um durch neue ersetzt zu werde, sondern bleiben als Deutungsmuster vorhanden, und sei es nur im Unterbewusstsein, um in das je aktuelle Paradigma eingebaut zu werden: z.B. die schon in vorchristlicher Zeit nachweisbare Vorstellung, Juden seien „arrogant“ (weil sie sich von heidnischen Staatskulten fernhielten), die christliche Vorstellung von der „alttestamentarischen Rache“, die rassistische Vorstellung von Juden als „Parasiten“. Bei der Bewertung etwa der israelischen Politik tauchen diese Klischees dann urplötzlich wieder auf. Die Ergüsse von Israelhassern muten deshalb an wie eine Zeitreise in die dunkelsten Epochen der Geschichte: Meine Frau hatte 4 Jahre lang eine Brieffreundin in Australien, die wir immer für intelligent, fortschrittlich und aufgeklärt gehalten hatten. Als der Libanonkrieg ausbrach, überraschte sie uns mit einer antiisraelischen Hasstirade, in der u.a. davon die Rede war, israelische Soldaten würden palästinensische Frauen vergewaltigen (Klaro, schon der „Stürmer“ hat uns ja darüber aufgeklärt, das Juden „arische Jungfrauen“ schänden), und israelische Heckenschützen würden gezielt Jagd auf Kinder machen (Wie war das noch mit dem Kindermord des Herodes?). Dass derart unfassbarer Dreck geglaubt wird, wäre ohne 2000 Jahre antijüdischer Indoktrination gar nicht denkbar.
(Was unsere Freundin angeht: Wir sind ganz naiv davon ausgegangen, dass es sich nur um eine politische Meinungsverschiedenheit handelt, und haben ihr ausführlich, sachlich, ohne persönliche Schärfe und ohne sie des Antisemitismus zu bezichtigen unseren Standpunkt dargelegt. Sie hat uns nie wieder geschrieben. Mit solchem Gesockse wie uns, das für Israel ist, wollte sie wohl nichts mehr zu tun haben. Wie soll man derart fanatischen Hass nennen - wenn nicht Antisemitismus?)
Mittwoch, 28. März 2007 um 4:13
Ja, diese Vorfälle kenne ich leider auch zur Genüge. Oft sind es Menschen, von denen man es eben nicht erwartet hätte. Aber das beste dabei ist, daß der typische israelhassende Mensch jeden Vorwurf von Antisemitismus weit von sich weist, sich als besonders fortschrittlich, aufgeklärt und human begreift. Das ist das Paradox des modernen Antisemitismus: Man ist israelkritisch nicht trotz sondern WEGEN der “Geschichte” (welches immer als Hüllwort für Auschwitz steht).
Montag, 8. Oktober 2007 um 22:09
[...] “Zwei Pässe, eine Meinung”: Judentum im Wandel, Judenhass im Wandel. Wie der Antisemitismus stets auf der Höhe der Zeit [...]