Warum verteidigen viele Feministinnen (oder überhaupt Frauen) islamische Verhüllungsgebote? Warum treten immer mehr Frauen aus Überzeugung Religionen bei, die die Verhüllung des weiblichen Körpers als Gottesgebot fordern? Die überraschende Antwort wird lauten: Weil das keine Gegensätze sein müssen.
Kopftuch, Burka und Frauenrechte?
Als auffälligstes Zeichen islamischer Frömmigkeit, und nicht umsonst als das politisch umstrittenste, gilt wohl das “Kopftuch”. Damit ist aber meistens mehr als nur ein Kopftuch gemeint: Der Hidschab, ein Kleidungsstück, das nur das Gesicht der Trägerin freiläßt.

Laut islamischer Lehre ist die Frau dazu angehalten, außer Gesicht, Händen und Füßen nichts von ihrem Körper zu zeigen, wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegt. Groteske Erfindungen wie der Burqini, dem Burqa-Bikini, sind eine Folge des Zusammentreffens von islamischer Frömmigkeit und westlichen Lebensstils.

Alleine die Forderung nach derartiger Bewegungseinschränkung, die nur Frauen auferlegt wird, müßte Frauenrechtlerinnen und Feministinnen auf die Barrikaden bringen. Doch Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer stellen mit ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem “Kopftuch” nicht die breite Mehrheit im feministischen Spektrum. Die Verteidigung des Kopftuchs als “Recht auf freie Religionsausübung” und die Delegitimierung von Kopftuchkritik als “Islamfeindlichkeit” gehört auch bei Frauen zum Repertoire linker Multikulti-Meinung. Manche meinen sogar, “eine Feministin muss ertragen, dass es Frauen gibt, die ein Kopftuch tragen.”
Warum muß sie das, um alles in der Welt?
Es ist nicht nur die ungerechte Einschränkung der Bewegungsfreiheit, die mit dem Tragen eines Bettlakens am Kopf einhergeht, sondern vor allem die hinter dem Kopftuch stehende Ideologie, die mit dem Feminismus offenbar nicht vereinbar sein kann. Oder doch?
Nicht nur im Islam
Was steckt hinter dem Kopftuch? Kopftuch und Burka sind die wohl extremsten Enden eines Frauen- und Geschlechterbilds, das durch weibliche Verhüllungsgebote bestimmt wird. Diese Einstellung findet sich in Ansätzen aber nicht nur im Islam.
“Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit verlangte die Norm von verheirateten Frauen das Tragen einer Haube, während unverheiratete ihr Haupt unbedeckt lassen durften. Die Redensart unter die Haube kommen (=heiraten) leitet sich davon ab. Die Haube galt als Zeichen der Frauenwürde und der Wohlanständigkeit; eine Frau ohne Haube galt als “loses Frauenzimmer”. In ganz Europa ist sie fester Bestandteil fast aller Frauentrachten.”
Auch heute noch tragen etwa sizilianische Frauen beim Gottesdienst eine Kopfbedeckung.
Genau gleich lautet auch die Vorschrift im Judentum zur Haarbedeckung verheirateter Frauen (woher sich die christliche höchstwahrscheinlich ableitet.)

Von einer Haube in der Kirche (und auch in der Synagoge - keine israelische verheiratete Frau würde baren Hauptes eines Gottesdienst besuchen) zur Ganzkörperverhüllung ist es zwar ein großer Schritt gemessen an Stoff, aber ein kleiner in geistiger Hinsicht.
“Bescheidenheit” durch Verbergen sexueller Reize
Das jüdische Konzept weiblicher Verhüllung fällt unter die Kategorie “Zniut” (meistens als “modesty” oder “Bescheidenheit” übersetzt), welches neben Kleidung auch Sprache und Benehmen umfaßt.
Die Bedeckung des Haares wird auf der Seite von Chabad, einer chassidischen orthodoxen Gruppe, so beschrieben:
By covering her hair, the married woman makes a statement: “I am not available. You can see me but I am not open to the public. Even my hair, the most obvious and visible part of me, is not for your eyes.”
Im Islam haben wir eine ähnliche Begründung vorliegen. Hadayatullah Hübsch (wohl Konvertitin) schreibt zum Thema “Warum trägt die Muslima Kopftuch”:
“Kopftuch und Schleier sind somit Mittel der muslimischen Frau ihre Würde zu verteidigen; sie verdeutlicht damit, dass sie für den Mann auf der Straße nicht Objekt seiner Begierde sein will und er nicht über sie verfügen kann.”
Es wird durch Kleidung eine Barriere aufgerichtet, die eine Frau als einem Mann gehörend von allen anderen Frauen, die im Gegensatz zur Verheirateten automatisch available, d.h. verfügbar, sind, absondert. Diese Barriere besteht nicht aus Worten oder Taten (wie man es von einer vergebenen Frau erwarten würde, die eine Einladung oder Avance ausschlägt), sondern in der für alle sichtbarenVerhüllung ihres Körpers. Die Verhüllungsgebote sind wie sexuelle preemptive strikes.Religiöse Jüdinnen verhüllen nicht nur ihr Haar. Vom Gebot der Bescheidenheit ist der gesamte Körper betroffen. Zwar sehen sie nicht aus wie wandelnde Laken, aber sie sind sofort erkennbar: Röcke bis auf den Boden und lange Ärmel, selbst bei Wüstentemperaturen. Enganliegende Kleidung ist ebenfalls verpönt, genau wie starke Schminke und bemalte Fingernägel.

Mit anderen Worten, alles was eine Frau sexy, weiblich und begehrenswert macht, ist verboten, gilt als verpönt und ist unpassend für eine anständige Frau.
In Jerusalem und anderen religiösen Gegenden werden oft Werbeplakate nachträglich “bekleidet”, da nackte Frauenhaut die Gemüter zu sehr erhitzt.

Verhüllung während meines Beitritts zum Judentum
Da ich selbst für einige Zeit religiös gekleidet war und mich in der religiösen Gesellschaft bewegte, kenne ich die Gefühle, die eine ihren Körper verhüllende Frau empfindet. In Israel, wo die Mode sehr schrill, sexy und jugendlich ist, machte ich erst eine Verwandlung von einer Turnschuh-Touristin in eine körperbetont gekleidete, aber dennoch bürgerlich-anständige Frau in festen Händen durch (was ich als befreiende “weibliche Revolution” empfunden habe!), nur um dann schnurstracks Hüfthosen und knappes Top gegen bodenlange Röcke und Pyjama-Oberteile einzutauschen. Eine Fahrt auf der Achterbahn! In dieser Verhüllungssituation fühlte ich mich in eine Zeit versetzt, als ich mich als Pubertierende - noch Mädchen und schon Frau - unsicher über die Wirkungen der neuen Rundungen, mich meines knospenden Körpers schämte, Baumwoll-BHs und Männerpolluver trug, und mein wallendes Haar im Ballettknoten versteckte! Als Mädchenfrau sind diese verwirrten Gefühle ein Schritt in der Entwicklung, aber als Erwachsene mit einem normalen Sexleben war die plötzlich verordnete Scham sehr seltsam. Es fühlte sich an wie ein Rückschritt, wie ein Gefängnis. Wenn ich mich in der religiösen Gesellschaft bewegte, empfand ich oft Unsicherheit, ob ich wohl auch genügend “verhüllt” wäre. Es kamen Gedanken auf, die an Paranoia grenzten. Doch glücklicherweise war es für mich nur ein Experiment, das ein Ende hatte (eine Erfahrung, die ich dennoch nicht missen möchte). Wie mußten dann erst Mädchen empfinden, die ihre Pubertät nur so erleben? Wie werden sie zu Frauen? Wie werden sie erzogen? Erlernen sie jemals ihren Körper, indem sie zwischen schamhafter Verhüllung und modischer Zurschaustellung damit umgehen lernen? Wohl nicht. Wir haben als Teenager mit unseren Eltern über die knappen Miniröcke gestritten - diese Mädchen nicht.

Die Kleidung und ihre Zwänge empfand ich als den härtesten Teil meines Übertritts. Gegen Ende habe ich oft extrem rebelliert und mich benommen wie eine katholishe Internatsschülerin: Unterricht aus, Klamottentausch, Party!Auch in der religiösen Gesellschaft gibt es so etwas wie ein Modediktat - nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Nicht die Häßlichen werden schief angesehen sondern die zu Hübschen! Während dieser Zeit lernte ich Frauen kennen, die kein anderes als das verhüllte Leben kennen. Teilweise begann ich sie sogar zu verstehen. Aber aufgehen könnte ich nicht in so einer Gesellschaft. Eine sehr radikale und interessante Erfahrung machte ich im Laufe der vergangenen Jahre durch, bei der ich viel über meine eigene Weiblichkeit erfuhr - aber ich möchte sie nicht wiederholen.
Zurück in die Welt der sichtbaren Körper!

Motive für die Scham vor dem eigenen Körper
Die Frage ist jetzt, warum tun das die Frauen? Warum verstecken sie sich? Hadayatullah Hübsch beantwortet die Frage “Warum trägt die Muslima Kopftuch” im ersten Satz ihres Essays mit einem Koranzitat:
“Damit sie erkannt und nicht belästigt werden”.
In ein ähnliches Horn stößt auch das Judentum, aber mit leicht veränderten Rollen. Nicht die Männer belästigen die Frauen, sondern die Frauen die Männer. Eine Expertenseite zum Judentum erklärt das Vorhandensein der Trennwand in der Synagoge:
“Prayer is all about focus; focusing on your connection with G-d. Unfortunately, there are always many distractions, both from within and from without, which make it difficult to focus properly. [...] What you really don’t need is an additional distraction sitting in the chair right beside you.”
Aber die Geschlechter sind nicht voneinander getrennt, wie diese Antwort nahelegen könnte, sondern die Frauen sind von den Männerblicken abgeschirmt aber nicht umgekehrt. Oft sitzen die Frauen auch noch auf der Empore, mit Rundblick auf die Männer! Die Trennung ist also einseitig.
Der dahinterliegende Grund ist offensichtlich: Der Anblick einer Frau stört den Mann beim Gebet. Das Weibliche, das Reizvolle und Sexuelle, überfordert den Mann. (Frauen werde keine unzüchtigen Gedanken zugetraut, die sie beim Anblick von Männern haben könnten?)
In religiösen Gegenden (und auch außerhalb) fahren zum Leidwesen von säkularen Frauen sogar Autobusse mit Geschlechterapartheid - ganz analog zu den Bussen mit Rassentrennung, welche in Alabama im Jahr 1955 einen Boycott auslösten. Auch bei dieser haarsträubenden israelischen Spezialität sitzen die Frauen im hinteren Teil der Busse - die Männer vor deren Anblick bewahrend. Zum Bezahlen wird üblicherweise ein Kind vorgeschickt.
Der Mann als sexuelles Raubtier, die unverhüllte Frau als Freiwild
Der Koran mit “Damit sie erkannt und nicht belästigt werden” bringt im Gegensatz zu dieser passiven Rolle des Mannes eine aktive ins Spiel - den Mann als Belästiger, der auf die unverhüllten Reize der Frau reagiert.
Manche islamischen Haßprediger sprechen aus, was der Koran nur andeutet: “Eine unverhüllte Frau, die ihre Schönheit zeigt, fordert eine Vergewaltigung heraus.”
Derartige Haltungen sind mir aus dem jüdischen Bereich nicht bekannt - die dahinterliegende Ideologie der Frauenverhüllungen ist jedoch dieselbe: Die Frau wird zum Sexualobjekt gemacht, auf welches die Männer sozusagen schwanzgesteuert reagieren, sei es durch Störung beim Gebet oder eben gleich durch Vergewaltigung. (Das Wesen einer Vergewaltigung, das kein sexuelles sondern ein gewalttätig-erniedrigendes ist, wird dabei völlig ignoriert.)
Das Ideal der verhüllten sexlosen Frau wird von der islamischen Kultur auch nach Deutschland importiert. In diesem Video spricht ein junger Türke sich aus:
Deutsche [...] haben bis 17 Jahre keine Freundin, und wenn die heiraten, dann eine gefickte Frau, die hat beim Puff gearbeitet.
Sprich, sie ist keine Jungfrau mehr - sie muß eine Prostituierte sein, eine Frau ohne Wert.
Das Kopftuch als Schutz vor sexuellen Übergriffen wurde in der Schweiz bereits öffentlich vorgeschlagen: Von einem Einwohnerrat der SVP.
Feministische Frauenbilder: Feindbild Titelbildmädchen
Interessanterweise zielt die feministische Kritik der angeblichen männlichen Verdinglichung der Frau jedoch in die exakte Gegenrichtung. Nicht verhüllte wandelnde Laken und Geschlechterapartheid werden als Symptome frauenfeindlicher Verdinglichung moniert, sondern enthüllte, ihre Reize offen zeigende Frauen sollen es sein, die die Würde der Frau verletzen.
In einer Studie mit dem passenden Namen “Die Frau als Sexualobjekt” werden folgende Beispiele gebracht, die die Frauenwürde verletzen sollen: Leicht bekleidete Titelseitenmädchen auf einer Zeitschrift, Werbung durch einen Cartoon mit der Aufschrit “Busengrapscher” und andere “Rollenklischees”. Die Autorin schreibt:
“Immerhin wartet unser Kulturkreis nicht erst seit Fichte mit geschlechtsbezogenen Vorstellungen über Sexualität auf, welche MacKinnon anschaulich mit “Man fucks woman: subject verb object” beschrieben hat. [...] Die Fixierung auf Frauendiskriminierung, die Frau als Sexualobjekt, dem Manne beliebig verfügbar, Erotik und nackte Frauen ist ihrerseits des (Hetero)Sexismus verdächtig.”
In diesem Zitat kristallisiert sich die geballte feministisch-linke Medienkritik zu einem Substrat, das, wäre das Zitat Arabisch statt Englisch und käme ohne PC-Ausdrücke wie “Heterosexismus” aus, klingen würde wie die Predigt einer übereifrigen Islamkonvertitin.
Pathologisierung des Normalen: Paarsexualität als Makel
Fast unfreiwillig komisch wirkt die Idee, es gäbe so etwas wie “nicht geschlechtsbezogenen Vorstellungen über Sexualität”. Sexualität heißt im Wortsinne Geschlechtlichkeit, und der Geschlechter sind zwei. Geschlechtsverkehr bedeutet im allgemeinen nunmal “Mann fickt Frau” und nicht “Frau fickt Mann”, denn Frauen können nicht ficken. Die Medienkritik der Erotik und der nackten Frauen wird in einem Zusammenhang gebracht, den man nur so einigermaßen intellektuell einordnen kann, indem mit diesem Elaborat grenz- oder ganzlesbische Nicht-Frauen und Möchtegernmänner als Leserinnenzielgruppe angepeilt werden sollen. Wer sollte das sonst sein, die als Frau gerne die fickende Position einnehmen würde und sich darüber echauffiert und es als -ismus bezeichnet, wenn jemand Sexualität mit Geschlechtlichkeit der zwei Geschlechter in Zusammenhang bringt?
In Werbung und Medien Paare zu zeigen (d.h. Beziehungen, die sich durch “Mann fickt Frau” auszeichnen), ist bereits Diskriminierung von Schwulen und Lesben (genannt “Heterosexismus”). Geschlechtsverkehr (d.h. “Verkehr” zwischen “Geschlechtern”, derer es zwei gibt) ist gleichbedeutend mit der Verdinglichung (”Objektifizierung”) der Frau. Eine haarsträubende Kritik. Ich frage mich, wie sich diese Damen ihre eigene Entstehung im Bett der Eltern so vorstellen. Mußte wohl in vitro gewesen sein - damit wird wenigstens die Frau weder gefickt noch verdinglicht.
Zusammenfassend: Sexualität (als Mann-Frau-Beziehung) verdinglicht die Frau, Erotik in diesem Zusammenhang entwürdigt daher die Frau. (Was ist eigentlich mit männlicher Erotik? Kann es sein, daß der Autorin männlicher sex appeal nicht auffällt?) Diese Kritik ergibt ein Bild, das auf die Entweiblichung der Frau abzielt, um damit der Verdinglichung zu entgehen.

Und genau hier ist der Berührungspunkt mit dem Islam, der “Bescheidenheit”, dem Kopftuch und der Ganzkörperverhüllung.
Raus mit Barbie!
Eine jüdisch-religiöse Webseite bringt einen Artikel einer später zur Religion gekommenen Frau, der diese Verbindung direkt anspricht: Raus mit Barbie:
“…both feminism and traditional Judaism share a common goal — upholding and ensuring the dignity of women. [...] As a left-wing student, Barbie dolls represented to me the most materialistic aspect of American society. [...] Just as I would never have countenanced a Barbie doll in my home when my lifestyle was more overtly feminist, so too — and for exactly the same reasons — I understood that these sort of dolls are not suitable in a religious home.”
Barbie ist plastikgewordenes Schönheitsideal westlicher Kultur, schlank, modisch gekleidet, langhaarig, reich, jung und blond (die neueren Barbies gibt es auch in anderen Farben). Barbie ist Weiblichkeit, sex appeal, Jugend, Hedonismus, Lebensfreude. Sie steht für “skin-deep beauty”, Oberflächlichkeit, und die leichtherzige aber sehr realistische Meinung, daß das schon OK so ist und man als Frau besser fährt und mit sich selbst zufriedener ist, wenn man schön ist und nicht häßlich.

Was bringt Frauen dazu Barbie, Titelbildschönheiten, Mißwahlen und Softpornos derart zu hassen, daß es ihre Ideologie wird? Minderwertigkeitskomplexe der Häßlichen? Nein, denn es gibt so viele bildhübsche Frauen, die ebendiese Werte vertreten. Demgegenüber gibt es viele Dicke, die obwohl nicht Barbiemaße habend, sich modisch kleiden und Freude an ihrem Körper haben. Sind Frauen mit diesen ablehnenden Ansichten denn alles Lesben, die am liebsten nicht nur zu Karneval als Dragkings herumlaufen würden, mit Bundeswehrhaarschnitt und elastischen Binden um den Bauch, der ihre Brust verbirgt? Ich glaube es nicht.
Gutbürgerliche deutsche Ehefrauen vs. Schlampen, Prolls und Ausländertussen
Es herrscht quer durch Mitteleuropa die Ansicht vor, eine intellektuelle, reife, emanzipierte Frau dürfe sich auf keinen Fall wie eine Tusse - also Barbie - kleiden und herrichten. Deutlich wird dies beispielsweise, wenn man sich die Klientel eines deutschsprachigen Onlineforums zum Thema Akrylnägel ansieht. Von den dort Teilnehmenden kann kaum eine einen Satz korrekt orthografiert schreiben, und bei vielen reicht es nicht für zwei Nebensätze. Das liegt nicht nur daran, daß mindestens ein Drittel der Autorinnen nicht aus Deutschland stammen sondern auch daran, daß es offensichtlich vorwiegend sogenannte Unterschichtfrauen sind, die sich Akrylnägel machen lassen. Tussen eben, Sekretärinnen mit Stroh im Kopf, Barbiepuppen, Flittchen, bestenfalls Ehefrauen von Mantafahrern. Solche, die auch noch das Arschgeweih tragen. Der abschätzigen Bezeichnungen sind keine Grenzen gesetzt. (In Israel dagegen haben anscheinend alle Damen Akrylnägel, sogar toughe Geschäftsfrauen und Ehefrauen aus dem Bildungsbürgertum.)

Die oben gezeigten Damen kamen bei der Bildersuche zum Stichwort “Tussi” zum Vorschein. (Es sind zwei modebewußte Damen, weiter nichts.)
Jedesmal wenn ich auf “Heimaturlaub” bin, passiert es hin und wieder, daß ich geduzt werde oder für eine Italienerin, Russin oder Polin gehalten werde. Das liegt wohl daran, daß ich mich in einem anderen Stil zu kleiden pflege als der, der in den nördlicheren Zonen als angemessen für eine verheiratete Mittdreißigerin gilt. (Am Akzent liegt es nicht - ich habe keinen.)
Nicht selten hört man von besonders emanzipierten Damen, wie grauenhaft Heiratsanträge wären und daß sie es nicht zulassen würden, sich bei einem Date von einem Mann das Essen bezahlen zu lassen. Dann wäre die Frau nämlich “Objekt”. (Ich kann es verstehen - als Mann würde ich auch keine Frau einladen, die aussieht wie Hella von Sinnen.)
Islamische Verhüllungsgebote als feministisches Ideal?
In einer Gesellschaft, in der Reife und Intellektualismus mit Geschlechtslosigkeit, Emanzipation mit “Bescheidenheit” und Bürgertum mit mausgrauen Säcken verknüpft wird, und sex appeal mit Dummheit, Unterschicht und Naivität, haben islamische Vorreiter und Kopftuchträgerinnen einen leichten Stand. Sie müssen nämlich nach der Ideologie des “Barbie raus” gewissermaßen als die Avantgarde des Feminismus gelten.

So läßt sich auch verstehen, warum es viele europäische Frauen gibt, die sich vom Islam (und auch der haredischen Form der jüdischen Religion) angezogen fühlen. Die Ablehnung der körperlichen Weiblichkeit als Ausdruck einer männerdominierten, oberflächlichen Gesellschaft ist Teil des in intellektuellen und linken Kreisen etablierten Weltbildes.
Die Diktion ist in beiden Bereichen gleich: Es ist von Frauen als “Objekten” die Rede, ignorierend, daß nicht nur vaginaler Geschlechtsverkehr anatomisch bedingt den Mann als “Handelnden” definiert, sondern die meisten Frauen (wenn sie ehrlich sind und keine feministischen Ideologinnen) es als erregend und bestätigend empfinden, von einem Mann sexuell begehrt und erobert zu werden. Durch reizvolles Äußeres würden Frauen zu “Objekten” gemacht, daher sei es zu vermeiden. Männer seien hilflose Schwanzwesen, den Reizen der Frau ausgeliefert. Daher: Keine Studentin der Soziologie mit Akrylnägeln, keine nackten Titten auf dem Magazin, keine Moslemfrau mit sichtbaren Knöcheln, keine Haredi-Frau mit wallenden Haaren - alles das dient der “Bewahrung der Würde der Frau”.
Die Debatten um “sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz” nehmen nicht umsonst oft einen Schwenk in die Richtung “so wie die angezogen ist, wollte sie es ja”. Und diese Aussage kommt nicht nur von Männern. Es ist inhaltlich exakt dieselbe Frauenfeindlichkeit wie die vom australischen Haßprediger Scheich Feiz Mohammed gezeigte Billigung von Gewaltverbrechen: “Eine Frau, die ihre Schönheit offen zeigt, provoziert eine Vergewaltigung.”
Verhüllungsgebote dagegen verstoßen nach dieser Auffassung nicht gegen die Würde der Frau, nein, sie schützen sie. So gehen vorgeblicher Feminismus und religiöser Fanatismus eine unheilige Allianz ein - eine Weltanschauung, in der eine Frau nicht Frau sein darf.

Montag, 29. Januar 2007 um 21:32
Mir springen natürlich die historischen Assoziationen sofort aus dem Kästchen… das ist ein hochinteressantes und komplexes Thema. Ich bin mal über ein paar Onlineshops für christliche, aber nicht nur christliche fromme Bekleidung gestoßen - das ist in den USA vermutlich nicht so exotisch wie für europäische Christinnen.
Kleider als Signalsystem - ein Thema, über das ich stundenlang nachdenken könnte. (Die Vizepräsidentin der Uni Haifa hat Acrylnägel!)
Montag, 29. Januar 2007 um 23:08
Kraß ist auch der Unterschied im Parlament. Wo würde man eine Dalia Izik zwischen Holland und Ostdeutschland einordnen? Wahrscheinlich als Frisöse oder Nageltante. Und dann sehen wir uns mal Merkel an, die mit dem Schweißfleckenkleidchen
Dienstag, 30. Januar 2007 um 0:07
Genialer Text, vielen Dank dafür.
Den Absatz mit “In einer Gesellschaft, in der Reife und Intellektualismus mit Geschlechtslosigkeit,….” bringt die Situation in Deutschland sehr gut auf den Punkt.
Dienstag, 30. Januar 2007 um 12:22
Kennst Du die Bücher von Anne Hollander über Kleidung? Wunderbar zu lesen. Ich liebe das Thema!!! (Meine Tante sagt immer, “Kind, zieh dich solider an, du kannst doch nicht in deinem Alter und bei deinem Beruf so rumlaufen!” Und ich sage, “liebe Tante, bei uns laufen alle so rum, glaub es mir”. Nützt nichts.)
Dienstag, 30. Januar 2007 um 21:41
Es ist nicht zutreffend, dass keine Israelin ohne Kopfbedeckung in die Synagoge gehen wuerde. Abgesehen von den Bati Knesset der Reform und Masortibewegung, sieht man das auch in nicht-ashkenasischen Synagogen nicht so eng. Ich kenne mehrere ueberwiegend marokkanische und eine indische Kehilla, wo verheiratete Frauen regelmaessig ohne Kofbedeckung (aber im abgetrennten Frauenabteil) am Gottesdienst teilnehmen.
Freitag, 2. Februar 2007 um 4:40
bin gerade durch Lila’s Seite auf deine gestossen - interessanter Artikel - soviel angesprochen, daß ich nur auf einen kleinen Teil reagieren will: - Gerade gestern las ich in mideastyouth zum Thema ‘Women in the Middle East? It’s man’s problem!” (http://www.mideastyouth.com/2007/01/30/women-in-the-middle-east-it%e2%80%99s-mans-problem/)
hier ein Ausschnitt:
“I remember asking a family friend who wore the Hijab why women had to cover their hair? ‘What’s the sexiest part of a woman?’ she asked me. To which I couldn’t quite reply as I felt this could be many things. ‘Hair’ she exclaimed.”
- Ich kenne aus kleinen christlichen Gemeinden hier in Deutschland auch den habitus daß Frauen beim Gebet ein Kopftuch tragen (sollen, aber nicht müssen) - egal was jemand für seine Religion trägt oder nicht trägt, ob er nach einem Mönchs-Gelübde (siehe Sikhs in Indien) nackt herumläuft oder sich über & über mit Schleiern verhüllt - ich akzeptiere alles - solange es freiwillig ist & nicht mit brachialer Gewalt von der Umwelt aufgezwungen wird wie in Iran & anderen Kleiderzwanggesellschaften..
Freitag, 2. Februar 2007 um 13:14
Was ist “freiwillig”? Wie definierst du das? Mode ist nie so ganz freiwillig. Wer nicht unbedingt dumm auffallen will (vgl. die Begriffe “underdressed”/”overdressed”) muß sich zwangsläufig der herrschenden Mode unterwerfen.
Der Unterschied zwischen religiöser “Mode” und Alltagsmode ist aber das Bild der Frau, das dadurch transportiert wird. Alltagsmode zielt darauf ab, als Frau attraktiv und weiblich zu sein. Es gibt ganze Paletten an Möglichkeiten, mit denen eine Frau Vorzüge betonen und Makel kaschieren kann. Religiöse Mode will das Gegenteil: Daß die Frau möglichst unattraktiv und unweiblich ist. Wenn das dann noch so begründet wird, daß man sich sonst ja nicht wundern brauche, wenn man belästigt oder gar vergewaltigt wird, ist das frauenverachtend. Diese Denkweise hat sich sehr stark erhalten - in jedem einschlägigen Gerichtsprozeß kommen diese Aussagen (kürzlich wieder bei Chaim Ramon).
Dazu kommt der angesprochene Unterschied im Modeverständnis zwischen Nord und Süd. Nordländer empfinden eine sexy und modisch gekleidete Frau als unterschichtig und dumm, Südländer empfinden eine nicht so gekleidete Frau als primitiv und ungepflegt.
Montag, 20. August 2007 um 18:30
Hey Schmetterlingsfrau, b”H
finde deinen Blog sehr interessant, hätte bei bisherigen Posts nur in die gleiche kerbe hauen können, hierzu möcht ich mich aber als religiöse Jüdin doch äussern. Ich finde es zu pauschalisierend, wenn du sagst, dass die religiöse Mode grundsätzlich zum Ziel hat, die Frau unattraktiv zu machen. Erstmal prangerst du zwischendurch schon spezifisch eher islamische Normen an und unterscheidest da auch zwischen den verschiedenen Bedeckungslevels, bei den religiösen jüdischen Traditionene fehlt mir diese Unterscheidung etwas. Bei Tzniut geht es in erster Linie darum, das Gebot aus der Thora zu halten und damit HASHEM anzuerkennen (wie du erwähnst gibt es keine Freiwilligkeit, man entscheidet sich aber welchen Idealen man folgen will: etwas was über uns steht oder Mode?). Desweiteren gibt es, wie bei vielen anderen Mitzvot (ausser Chukim) viele logische oder spirituelle Gründe. Bei Tzniut, wozu auch das Nicht-ziegen-des-eigenen-Haares gehört, ist das u.A, dass die Neshama erkannt und nicht der Körper angestarrt werden soll. Dies beinhaltet, dass eine schöne Frau nicht auf ihre Schönheit und eine mit weniger Schönheit ausgestattete nicht auf ihre Nachteile reduziert werden soll. Natürlich sind wir Menschen und schauen aufs Äusserliche, aber dadurch weit weniger. Im Unterschied zu anderne Traditionen ist es auch so, dass ausnahmsweise auch die Männer auf ihre Erscheinung achten sollten und es kaum so groteske Bilder gibt wie eine völlig vermummte Frau, die hinter ihrem in in Trägershirt und Shorts gekleideten Mann hergeht. Zudem gibt es innerhalb der jüdischen religiösen Gemeinde erhebliche Unterschiede, von modisch bis völlig zweckmässig. Grundsätzlich soll Bat Israel aber attraktiv, jedoch nicht anziehend aussehen.
Montag, 20. August 2007 um 19:02
Natürlich werden diverse Versteckungsgebote religiös begründet, ob im Judentum oder Islam. Auch im Christentum gibt es diverse Verhüllungsgebote, nur wissen die wenigsten davon. Und natürlich haben sie immer “spirituelle Gründe”. Darüber will ich auch gar nichts sagen. Im Endeffekt läuft es sich aber immer auf eines hinaus - wie du ja schreibst:
“Dies beinhaltet, dass eine schöne Frau nicht auf ihre Schönheit und eine mit weniger Schönheit ausgestattete nicht auf ihre Nachteile reduziert werden soll.”
Eine schöne Frau darf nicht schön sein, warum nicht? (D.h. eine intelligente Frau muß sich dumm stellen, damit sie nicht auf ihre Intelligenz reduziert wird und die Dümmeren nicht schlecht dastehen?) Jeder hat visuelle Vor- und Nachteile, und mit etwas Geschick und den richtigen Tips kann man Vorteile betonen und Nachteile kaschieren. Das ist der Zweck von Mode und Kosmetik - so vorteilhaft wie möglich auszusehen und sich gut zu fühlen.
Worum es bei religiösen Verhüllungsgeboten geht, ist aber ganz was anderes: nämlich die Macht der Frau als Verführerin zu brechen, aus purer Angst des Mannes, sie könne ihm davonlaufen. Der Frau wird nicht zugestanden, daß sie schön sein will, weil sie es selbst will, sondern man unterstellt ihr, sie täte das, um andere Männer zu verführen. Das ist eine Bedrohung für den Mann, der Besitzanspruch auf diese Frau hat. So denken leider nicht nur religiöse Fanatiker - man hört es allerortens (im deutschsprachigen Raum) von ganz “normalen” Leuten: “Meine Freundin läuft nicht im Minirock rum, niemand soll sie so sehen. Ich poliere ja auch nicht meinem Mercedes, daß er dann gestohlen wird.” Es geht um eine prinzipielle Ansicht der Frau als Besitz des Mannes!
“Grundsätzlich soll Bat Israel aber attraktiv, jedoch nicht anziehend aussehen.”
Attraktiv bedeutet dem Wortsinne exakt “anziehend”. Also mir ist der Satz daher etwas unklar. Was meinst du damit?
Die meisten Banot Israel sind jedenfalls extrem anziehend und sexy und schämen sich nicht dafür, selbst wenn sie die 60 überschritten haben!
Dienstag, 21. August 2007 um 14:33
“”anziehend”"
Jep, das Ganze ist etwas Wortklauberei, aber ich denke schon, dass du verstehst, was ich meine, aber etwas Rethorik muss sein. Die beiden Sachen sind nahe beeinander, ich finde aber die Enung -ive und -ing (attractive - attracting), deuten auf eine andere Färbung hin.
Eine attraktive Frau ist attraktiv, wegkaschieren wäre schade, aber ein aktives auf-sich-aufmerksam machen hat ja gerade zum Zweck Brain-movies zu kreieren oder/ und das Bedürfnis nach Besätigung zu befriedigen. Das ist auch ok so. Ich will das nicht wegdiskutieren, mir fällt es auch nicht immer leicht, als verheiratete Frau nicht mehr die gleichen Blicke einzuheimsen. Ich kritisiere diese Position einfach, und denke, nur weil wir ein Bedürfnis haben, heisst das nicht, dass man nicht daran arbeiten kann (auf ein Ziel hin). Wenn das Ziel ist, Macht als Verführerin zu haben, dann ist der Fall klar. Wenn es die Leute glücklich macht, bitte schön.
“eine intelligente Frau muss sich dumm stellen”
Intelligenz ist nichts, was man verstecken braucht, aber wiederum, ich beziehe mich nur auf religiös-jüdische Kreise, jüdische Frauen gehörten durch die Geschichte hindurch zu den gebildedsten überhaupt (aber weisst du ja sicher), natürlich muss unterschieden werden zwischen kodesch und profaner Bildung, aber auch heute ist es so, dass Frauen beides lernen.
“extrem anziehend und schämen sich nicht dafür”
Wie kommst du darauf, dass sich eine schöne religiöse Frau, die ihr Haar bedenkt für ihre Schönheit schämt?
Dienstag, 21. August 2007 um 15:39
Ich komme bei diesen Gedankengängen nicht mehr ganz mit. Warum soll man als verheiratete Frau nicht mehr Blicke bekommen dürfen? Weil man einem einzigen Mann gehört? Da muß dieser Mann aber sehr niedriges Selbstbewußtsein haben, daß er gleich ausrastet, nur weil andere Männer seine Frau ansehen. Ein Mann mit starkem Selbstbewußtsein WILL, daß man seine schöne Frau auch sieht. Mit Stolz geht er mit ihr an der Seite! Und mit Stolz “heimst” sie die begehrlichen Blicke ein, denn das erhöht das Selbstbewußtsein.
“Wenn das Ziel ist, Macht als Verführerin zu haben, dann ist der Fall klar. Wenn es die Leute glücklich macht, bitte schön.”
Das klingt sehr abwertend und auch frustriert. Ich für meinen Teil bin mir meiner Macht als Frau bewußt, und ich fühle mich auch schön (außer an schlechten Tagen
Mich darf man auch ansehen, man darf mit mir sogar flirten! Aber ich weiß, und vor allem mein Mann weiß, daß ich nur zu ihm gehöre (aber nicht ihm gehöre!). Ich brauche weder mein Haar zu verstecken noch weite Klamotten tragen, damit sich mein Busen wohl auch nicht abzeichnet. Ich trage auch Schminke und färbe meine Haare nach Lust und Laune. Und trotzdem bin ich absolut treu - das ist es, was offenbar viele nicht verstehen. Das Aussehen hat nichts damit zu tun, ob eine Frau eine treulose Schlampe ist oder nicht. Das sind pure Vorurteile und vor allem Angst der Männer, ihre Frau könnte “zu schön” sein und er ihr nicht gut genug. Dieses Denken wird in den männerdominierten Religionen zum religiösen Gebot erhoben - sehr praktisch für die Männer. Männliche Attraktivität dagegen ist praktisch nichtexistent. Nirgends wird vorgeschrieben, der Mann müsse etwa weite Hosen tragen, damit sich sein Geschlecht nicht abzeichnet.
Was religiöse Frauen nun selbst denken, die ihre Haare bedecken, kann ich nicht beurteilen, aber ich würde vermuten, daß sie es tun, weil es in ihrer Gesellschaft so sein muß und als religiöses Gebot eben notwendig ist. Ein Nichtbefolgen wäre nicht nur eine Beleidigung Gottes sondern würde sie aus der Gesellschaft ausschließen - die beiden schlimmsten Dinge, die es gibt. Solange so eine Frau nicht die Gesellschaft wechselt und ihre Religion aufgibt, würde sie nie darauf verzichten. Der Mensch ist nicht zum Außenseiter geboren - wir sind alle so, wie die Umgebung es verlangt, oder anders gesagt, wir alle befolgen die Mode der Gruppe, in der wir leben.
Sonntag, 26. August 2007 um 20:41
Wer verstanden hat, dass die Thora Wahrheit und G’ttliche Weisung ist, wird sich an diese Weisungen halten, auch wenn sie ihm als Mensch mit Leidenschaften, Begierden, Vorlieben, Illusionen, Begrenzungen etc. merkwuerdig vorkommen.
Wir koennen davon ausgehen, dass die G’ttliche Weisheit tiefer ist als eine oberflaechliche Meinung, wieviel nackte Haut eine Frau als Frau attraktiv machen und wieviel unverhuelltes Haar ihr Freiheit geben.
Wer mit fleischlichen Augen sieht, sieht nur Koerper. Aber jede normale Frau wird sich wohl mehr als ein Koerper fuehlen.
Als mein Mann noch jung war, kam einmal eine Frau zu ihm und heulte sich aus bei ihm,s ie beklagte sich, dass alle Maenner sofort mit ihr anfingen, als sei sie eine Frau der billigsten Sorte und niemand wuerde sie mit Respekt behandeln, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass kein Mann ihr inneres Wesen wahrzunehmen schien. Sie war sehr attraktiv gekleidet und betonte mit aller Kunst ihre weiblichen Formen. Mein Mann stellte sie vor den Spiegel und sagte ihr: “Jetzt stell dir vor, du bist ein Mann. Sieh Dich an durch die Augen eines Mannes. Was siehst du? Und-was denkst Du ueber sie? was faellt dir als erstes ein, was du von ihr willst?”
Sie verstand.
Es liegt an der Frau, sich selber zu degradieren und wie ein Schaf alles zu machen, was Maenner von ihr wollen und sie wissen lassen (durch Filme,Werbung,Mode), aber sie muss dafuer auf ihre inneren Werte verzichten und davon ausgehen, dass sie ein “guter” Tip ist unter “guten” Freunden.
Im Judentum ist ztniyut=modesty der Weg, um das Verborgene sichtbar zu machen und in die Realitaet zu bringen. Je mehr eine Frau auf zniyut haelt, verbirgt, was nicht fuer die Oeffentlichkeit ist, desto mehr offenbart sich das Verborgene=G’ttlichkeit mit all seinen Segnungen in ihrem und dem Leben ihrer Naechsten.
Eine verheiratete Frau, die ihre Haare auf G’ttes Gebot hin verbirgt, wirkt damit direkt auf den finanziellen |Erfolg ihres Mannes etc. Jede Mitzwa, die wir tun, tut etwas mit uns, in uns, um uns.
Wenn wir schon ueber Gebote reden, solten wir doch wenigstens wissen, worueber wir reden.
Montag, 27. August 2007 um 14:53
Der Beitrag ist klassisch, Chana, denn er enthält alle Aussagen, die ich oben kritisiert habe. Danke dafür. Er zeigt auch wunderbar die Überschneidungen von Zerstört-BHs-Feminismus und religiösem Denken.
“… kam einmal eine Frau zu ihm und heulte sich aus bei ihm,s ie beklagte sich, dass alle Maenner sofort mit ihr anfingen, als sei sie eine Frau der billigsten Sorte … Sie war sehr attraktiv gekleidet und betonte mit aller Kunst ihre weiblichen Formen.”
Ob eine Frau billig und eine Schlampe ist, hat überhaupt nichts damit zu tun, wie sie sich kleidet, sondern darum, wie sie sich verhält. Eine Frau, die durch ihr Verhalten Signale sendet, daß sie bereit ist mit jedem etwas anzufangen, die ist eine Schlampe. Das geht aber wunderbar auch dann, wenn man sich nicht attraktiv kleidet. Eher das Gegenteil ist nämlich wahr: Je attraktiver und sexier eine Frau sich kleidet, desto selbstbewußter wird sie wahrgenommen und desto weniger plumpe Anmachen bekommt sie. Das graue Mäuschen, das Unsicherheit ausstrahlt und jedes Kompliment aufsaugt wie ein Schwamm, ist dagegen das perfekte Opfer.
“Aber jede normale Frau wird sich wohl mehr als ein Koerper fuehlen.”
Welche Frau fühlt sich eher “nur als ein Körper” - eine, die alles anzieht, was die Mode bereitstellt, oder eine, die bei jedem Kleidungsstück überlegen muß, ob es nicht zuviel von ihrem Körper zeigt? Welche Frau ist eher von der Übersexualisierung weiblicher Körper eingenommen - eine, die ihren Ausschnitt zeigt, ohne sich als Schlampe zu fühlen, oder eine, die jede Rundung pflichtbewußt verhüllt, aus Angst, sie könnte als dies und das verstanden werden? Welche Frau hält ihren Körper wirklich für “gefährlich”, die, die ihn zeigt, ohne auf die Idee zu kommen, deswegen eine Schlampe zu sein, oder die, die strikte Regeln für jeden Zentimeter ihrer Ärmel braucht, um sicherzugehen, daß bloß kein sexuelles Signal von ihr ausgeht? Es sind religiöse Anstandsregeln, die die Klimax einer männlichen Besessenheit mit weiblicher Sexualität ausmachen. Die einzigen, die hier mit “fleischlichen Augen” sehen, das sind die männlichen Urheber dieser Vorschriften.
“Es liegt an der Frau, sich selber zu degradieren und wie ein Schaf alles zu machen, was Maenner von ihr wollen”
Das ist genau meine Rede - deswegen halte ich nichts von Verhüllungsgeboten, die den Frauen einreden, ihr Körper wäre allein durch den Anblick schon verwerflich und müßte vor den Blicken der Männern geschützt werden. Keine andere Ideologie ist frauenfeindlicher und degradiert Frauen zu Schafen, die von den Männern vorgeschrieben bekommen, wie sie sich zu kleiden haben!
“Wenn wir schon ueber Gebote reden, solten wir doch wenigstens wissen, worueber wir reden.”
Ich habe nirgends über die religiösen Implikationen geschrieben -das würde ich mir nicht anmaßen. Es geht hier ausschließlich um den feministischen Aspekt von Kleidungsregel (wobei das Judentum hier ohnehin nicht wirklich relevant ist, sondern der Islam. Ich habe noch nie gehört, daß in Europa jüdische Kleidungsvorschriften zum kulturellen Ideal erhoben wurden, wohl aber islamische.)