An Tubischwat, einem kleineren Fest im Februar, werden traditionellerweise Neueinwanderer aus aller Welt in der Knesset, dem Parlament, empfangen. Im Ulpan, dem Hebräischsprachkurs, wurde uns davon berichtet. Wer möchte, sollte sich anmelden. Es sollte möglichst aus jedem Land einer sein. Ich habe mich angemeldet - es klang interessant. Offenbar war mein Land schlecht vertreten, und so wurde ich eingeladen, einer Sitzung in der Knesset beizuwohnen und hinterher dem Staatspräsidenten Kazaw die Hand zu schütteln.
Meine Schwiegermutter war ganz aus dem Häuschen. Sofort schleppte sie mich zum Einkaufen, um mich anlaßgemäß einzukleiden. “Sie trifft den Präsidenten!” hat sie jeder Verkäuferin unter die Nase gerieben.
Mit einem Bus wurden an besagtem Tag die eingeladenen Olim (Einwanderer) nach Jerusalem gekarrt. Ulpan fiel an dem Tag für mich aus. Ich erinnere mich, daß ich an diesem Tag fürchterliche Zahnschmerzen hatte, aber trotzdem mitgefahren bin. Der Präsident, der Präsident!
Vor dem Einlaß in das viereckige Gebäude mußten wir eine immense Sicherheitskontrolle über uns ergehen lassen. Uns wurden die Handtaschen weggenommen. Und außerdem mein Handy, da es eine Kamera eingebaut hat. Fotografieren war strengstens verboten. So “nackt”, ohne Handtasche und Handy, stiegen wir die niedrigen, breiten Treppen empor, die zur Knesset führen.
Die versammelten Olim, mich einschließend, ein gutes Drittel davon offenbar Äthiopier, die den linken Flügel besetzten, wurden auf der Empore hinter einer schußsichere Glaswand verwahrt. Es war ein wenig wie in einer Synagoge, nur daß ich etwa sehen konnte. Wir sahen durch die dicke Scheibe herab auf den Plenumsaal wie Zoobesucher auf gefährliche Raubtiere. Nur, daß wir hier die Gefahr waren. Toll, dachte ich mir, so viel Vertrauen hat man in uns.
Ich erinnere mich noch, daß wir alle gekichert haben, da Scharons Ledersessel um mindestens ein Drittel breiter war als alle anderen Stühle. Außerdem sah ich bekannte Gesichter herumlaufen, und bemerkte, daß Zipi Livni eine immense Körpergröße haben mußte, und Peres sehr klein war. Im Fernsehen sind alle Menschen gleich groß.
Die Sitzung begann, einige Ansprachen, eigentlich nichts Aufregendes. Die Zuseher wurden im Laufe des mehrstündigens Gequatsches mehrmals ermahnt, ihre Unterhaltung leiser zu halten. Uns war langweilig, und wir waren hungrig. Ganz rechts am Ende der Stuhlreihe, auf der Empore wie wir, sah ich Kazaw sitzen.
Hinterher gab es ein Buffet, und ich lief einigen Fernsehkameras ins Bild. Ein Händeschütteln fand nicht statt, weder mit Kazaw noch sonst irgendwem.
Hinterher beschwerten wir uns im Ulpan, was das für eine Frechheit gewesen wäre. Alle Damen hätten sich für teures Geld eingekleidet, einen Tag Ulpan haben wir alle sausen lassen, um am Ende drei Stunden hinter einer Glaswand zu sitzen und dann ein kaltes Buffet hinunterzuwürgen. Nichts war mit dem Präsidenten! Betrug!
Naja und jetzt - jetzt bin ich froh darüber, nicht einem mutmaßlichen Serienvergewaltiger die Hand geschüttelt zu haben.
Mittwoch, 24. Januar 2007 um 21:19
B”H
Wenn du Katzav doch noch die Haende schuetteln willst: An jedem Chol HaMoed ist Tag der Offenen Tuer in der Praesidentenresidenz.
Vielleicht gurkt er ja bis dahin noch rum.
Ich habe einmal Ezer Weizman die Haende schuetteln duerfen, aber ohne Buffet. Das Buffet waere mir ehrlich gesagt lieber gewesen.
Miriam