Weihnachtsfeiern - rotes Tuch für politisch Korrekte und Verfolgte h. c.

In jedem Land ist es üblich, die größeren Feiertage der jeweiligen Mehrheitskultur festlich zu begehen. Auch im schulischen und beruflichen Umfeld ist das gängig. Die Minderheiten haben da normalerweise nichts dagegen - sind oft sogar anwesend und machen nebenbei ihre eigenen Feiern im kleinen Rahmen. Außer in manchen christlichen Ländern, wo die Weihnachtsfeier zur Projektionsfläche politischer Korrektheit und ostentativ gezeigter Verfolgheit wird.

Ein Rabbi klagt Weihnachtsbäume aus dem Flughafen, in England verbietet man Betriebsweihnachtsfeiern aus Rücksicht auf Migranten - aus meiner Sicht als Migrantin absurde Possen eines gestörten Kulturverständnisses, von Schwäche und Duckmäusertum. Kein Wunder, daß die islamische Welt sich über den Westen totlacht und ihn als dekadente Weicheier einstuft.

Zur Erinnerung: Es gibt weltweit mehrere Religionen, die je nach Gebiet unterschiedlich stark vertreten sind. Die religiöse Mehrheit formt dabei auf ganz natürliche Weise die Kultur und die Mentalität des gesamten Gebietes. Schematisch kann man das so darstellen:

Die roten Gebiete sind jene, wo man Ende Dezember damit rechnen muß, mit Weihnachtsliedern, Geschenken, Krippenspielen und Leuchtbäumen konfrontiert zu werden, egal ob man Christ, Atheist, Rabbi oder Moslem-Migrant ist. Auch mit betrieblichen Weihnachtsfeiern ist zu rechnen - falls man sie noch erlaubt. Manche Betriebe verzichten immerhin auf Schweinefleisch und bieten eine halal-Weihnachtsparty.

Außerhalb der roten Gefahrengebiete dürfte man zu dieser Rücksichtnahme eher lachen. Von den grünen Gebieten der Religion des Friedens ganz abgesehen, wo das Ausüben von Götzendienst teilweise gänzlich verboten ist.

Ich selbst lebe auch außerhalb des roten Gebietes, nämlich in dem winzigen türkisfarbigen Klecks in der Mitte der Landkarte - Israel, die fast weihnachtsfreie Zone. Als Jude wird man hier nicht im Betrieb mit Krippen und Rentieren belästigt, dafür muß man als Christ und Moslem schon mal zurückstecken, wenn am Jom Kippur alles geschlossen ist. Bisher regte sich keiner darüber auf.

Weihnachten gibt es hier aber auch - und zwar in den arabisch-christlichen Gebieten (und leider auch in vielen russisch-”jüdischen”).


Viele christliche Ausländer, die hier leben, fahren jedes Jahr im Dezember nachhause, um Weihnachten in vollem Umfang zu genießen. Denn hier muß man schon danach suchen. Denn die Christen sind eine Minderheit, welche sich jedoch nicht über die politisch inkorrekten Laubhütten oder Chanukka-Leuchtern beschwert hatten, die sich zum passenden Fest ganz Israel überziehen. Auch die allerseits üblichen Purimpartys stoßen auf keinen nennenswerten Widerstand.

Diese Diskrepanz zwischen Europa und anderen Ländern im Umgang mit der Mehrheitskultur auch nur anzusprechen kann seltsame Reaktionen verursachen, das insbesondere bei Personen, die sich innerhalb der roten christlichen Dominanzkulturzone freiwillig in den Stand der Minderheit begeben haben - Konvertiten also, mutige Seitenwechsler von der Mehrheit zur Minderheit, revolutionäre Zeichensetzer, Leuchttürme der politischen Korrektheit.

Folgenden Kommentar setzte ich in einen Blogbeitrag, im man sich ein Konvertit über die betriebliche Weihnachtsfeier ausließ, der er trotz schweinefreiem Essen fernblieb. Ist auch wirklich eine Zumutung, daß in einem christlichen Land Weihnachten gefeiert wird! Ich schrieb:

“In England ist man da schon fortschrittlicher:
http://www.netzeitung.de/vermischtes/470507.html . Man stelle sich vor, in Israel würden Sukkot und ihre Beleuchtung kurzerhand
verboten werden, aus Rücksicht auf Christen. Halal-Essen unter dem Christbaum ist aber auch nicht schlecht.”

Der Beitrag wurde gelöscht, da er nicht den Anforderungen “Sachlichkeit, Höflichkeit, Themenbezug, Beleg von Behauptungen” entsprach. Sachlich war er, zum Thema paßte er auch, und belegen brauche ich die Behauptung wohl nicht, da ich weiß, wie man in Israel mit der diskriminierenden Zurschaustellung der Symbole der Dominanzkultur umgeht. Also war ich unhöflich. Dafür entschuldige ich mich auf Umwegen. Es ist unhöflich, andere Menschen auf die Absurdität ihres Daseins hinzuweisen: Wer in der dunkelroten Weihnachtszone lebt und zu einer Minderheitenreligion übertritt, und sich dann beschwert, daß der Betrieb trotzdem Plätzchen verteilt, hat irgendetwas falsch gemacht. Der Minderheitenstatus kann ihn nicht stören, denn den er sich ja ausgesucht. Wenn ihn das Weihnachtsfest also stört, gibt es zur Auswahl an weihnachtsfreier Zonen ja immer noch den türkisen Splitter oder die ihn umzingelnden grünen Farblachen.

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