Warum zum Teufel sollte jemand seinen eigenen Dreck durchwühlen und zu Hause fein säuberlich in dutzende Behälterchen einsortieren, noch dazu wenn er keinen Cent dafür bekommt? Wo es heute Müllanlagen gibt, die das automatisch machen - wozu das Ganze? Zeige einem Nichtdeutschen die Mülltrennerei - er wird ungläubig staunen und sich fragen: Wie ist das menschenmöglich? Warum sagt niemand etwas dagegen?
Über den Sinn von Umweltschutz und Recycling an sich zu streiten hat keinen Zweck. Nehmen wir es hier als gegeben an, daß sie einen haben. Die Wiederverwertung von Abfall ist wahrscheinlich eine gute Sache. Dazu den Abfall nach seiner Art zu sortieren ebenfalls. Viele Länder tun das. Moderne Müllverarbeitungsanlagen sind in der Lage, vollautomatisch den kompletten Haushaltsmüll zu sortieren und zu verarbeiten.
Nicht so in Deutschland. Dort hat der einzelne Bürger die Aufgabe, im Dreck zu wühlen, Plastik von Metall zu trennen und seine Abfallprodukte mit der Hand in acht bis elf oder schon zwölf verschiedene Behältnisse einzufüllen, einzuwerfen und einzusortieren. Eine Arbeit, für die woanders Kräfte eingestellt werden, die Schmutzzulage kassieren, wird im eigenen Haus vollführt. Jeder Haushalt braucht dazu mehrere Mülleimerchen, Mistbehältnisse, geschlossene Plastikdosen, Kisten für Papier, Säcke für Bio-Abfall und so weiter. In manchen ländlichen Gegenden ist die Anzahl der von der Müllwirtschaft bereitgestellten Behältnisse begrenzt, sodaß der Müll auch noch selbst komprimiert werden muß. Man muß mit der Hand fest in den Dreck hineingreifen! Jeder zusätzliche Sack oder Karton muß bezahlt werden. Einfach eigene Säcke und Kisten zu benutzen geht natürlich nicht - alles muß in den korrekten Sack, die farblich korrekte Kiste, den passenden Container!!

Für Menschen anderer Länder wie etwa den USA oder Israel ist diese Vorstellung alleine etwas, wegen dem man sich an den Kopf greift und der Unterkiefer weit gegen Mutter Erde driftet. Hier und hier beschreiben Amerikaner ihre Eindrücke aus Deutschland, dem Land der Mülltrennung. Von einer “lesson” und einer “daunting issue” ist dabei die Rede - für einen Fremden ist die Mülltrennerei eine Sache, die so seltsam ist wie die Antennen auf den Köpfen der grünen Männchen.
Wie ist das möglich, daß ein ganzes Land im Dreck wühlt und überzeugt ist, das ist gut? Warum um alles in der Welt tun die das? Dabei geht die Frage nach dem Warum nicht in Richtung der ökologischen Sinnhaftigkeit (die mag man einsehen), sondern zielt auf die Psychologie der Menschen: Warum sind sie bereit, freiwillig eine schmutzige körperliche Arbeit zu verrichten, die Zeit verschwendet und das eigene Haus mit Müllbehältnissen zuschüttet? Ist es Beschäftigungstherapie für Arbeitslose oder anale Fixierung? Frage einen Israeli “Warum sollte man nicht mülltrennen?” kommt die Antwort: “Bin ich blöd?” und er tippt sich an die Stirn. Nur weil einem einer etwas sagt, heißt das noch lange nicht, daß man es auch tut! Schon gar nicht, wenn es derartig schmutzige Arbeit bedeutet.
In Israel gibt es keine Mülltrennung im Haushalt - der Vorschlag alleine würde Gelächter auslösen, und jeder ginge achselzuckend seiner Beschäftigung nach. Oder glauben Sie im Ernst, Leute, die wie auf dem Bild aussehenden Müll produzieren, würden zuhause die Alufolie von den Joghurtbechern trennen, nachdem sie sie ausgespült haben?

In den USA scheint die Trennung in manchen Gegenden zu funktionieren, solange es eine Belohnung dafür gibt. In Israel klappte nicht einmal die Einführung des Dosen- und Flaschenpfandes flächendeckend. Es ist den meisten einfach zu blöd. Einfach so etwas zu tun, nur weil einer es sagt, kommt nicht in Frage. Nicht einmal der Gedanke ist nachvollziehbar. Der Anreiz mit Geld brachte auch keinen nennenswerten Fortschritt.
Ist die Mülltrennung also “typisch deutsch“? Die Trennung an sich wohl nicht. Was ist dran an der deutschen Mülltrennung, daß diese Zuschreibung so nahe liegt? Sauberkeit könnte man meinen, aber das ist zu kurz gegriffen. Natürlich gibt es in Deutschland die saubersten Autobahnklos mit Selbstreinigung und Duftabgabe durch Infrarotsensor. Davon kann ich in Israel nur träumen. Der Gang zur öffentlichen Toilette ist hier eine lebensgefährliche Mission! In den Wald zu scheißen ist oft hygienischer. Bei der Mülltrennung kommen aber noch andere Dinge zum Tragen als bloße Sauberkeit.
Damit sie funktioniert, müssen wirklich alle mitmachen, oder zumindest der Großteil der Bevölkerung. Ansonsten ist das Projekt zum Scheitern verurteilt. Damit also alle immer mülltrennen, braucht man also Gehorsam. Jemand sagt dir “Du mußt mülltrennen”, und du tust es. Das ist Gehorsam. Damit der Bürger bei (meist sinnvollen) Vorgaben auch gehorsam ist, werden normalerweise durch das Gesetz Sanktionen angedroht: Wenn du bei Rot über die Kreuzung fährst, zahlst du einen Haufen Geld. In Japan (wo sonst?), das einzige Land, das anscheinend eine schlimmere Mülltrennungsmanie entwickelt hat als Deutschland, gibt es Inspektoren mit polizeilichen Aufgaben, die Strafen verhängen, wenn der Müll woanders landet als vorgesehen. Für im eigenen Haushalt falsch einsortierte Plastikflaschen gibt es in Deutschland aber keine Strafen, die durch die Polizei oder sonstwie verhängt werden. Man tut es trotzdem - ein wahres Wunder, undenkbar in anderen Staaten.
Das Motiv für diese Art Gehorsam ist also Selbstdisziplin. Diese funktioniert aber wiederum nur, wenn derjenige überzeugt davon ist, daß es eine gute Sache ist, die er da tut. So in etwa ist Religion gestrickt. Der Religiöse ist überzeugt, daß Gott ihm etwas geboten hat, und deswegen tut er es - ganz ohne Androhung von Strafen durch den Staat. Die Mülltrenner sind also überzeugt davon, daß Mülltrennung eine gute Sache ist. Aber sie glauben nicht an einen liebenden Gott, der Mülltrennung zum spirituellen Wohl der Menschen vorschreibt. Sie müssen trotzdem sehr stark, fast in religiöser Demut, überzeugt davon sein, daß sie das Richtige tun, damit auch wirklich alle es immer tun.
Die Überzeugung muß also darüberhinaus quer durch die Bevölkerung vorhanden sein und auf das Ziel der totalen Mülltrennung ausgerichtet sein. Das nennt man Gesinnung. Die Mülltrennungsgesinnung ist in der Tat in der Bevölkerung 1. weit verbreitet und 2. tief verankert, d.h. sie ist bei sehr vielen eine unbestreitbare moralische Wahrheit, so wahr wie “Mord ist ein Verbrechen”. Mit der Aussage “Ich trenne keinen Müll, weil mir das zu blöd ist”, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so lange ein deutsches Webforum stören, bis man hinausgeschmissen wird.
Die richtige Gesinnung ist das Kontrollsystem von innen. Von außen kommt noch ein anderes dazu - es ist genau dieses System das in Japan offenbar fehlt. Was auch bei Diskussionen in Webforen zu beobachten ist, kommt bei der deutschen Mülltrennung archetypisch zum Vorschein: Wichtiger als das eigene Einhalten der Regeln aus eigener Überzeugung ist, daß der andere die Regeln einhält. Das nennt man Überwachung. So bewerben sich manche besonders Eifrige als Müllkontrolleur, während anderen es ausreicht, als Hausmeister die anderen zu beobachten, zu überwachen und jedes Fehlverhalten zu melden, d.h. Denunziation, wie zum Beispiel in dieser Schule:
“Das Reinigungspersonal und die Hausmeister kontrollieren die Mülltrennung in den Unterrichtsräumen und melden ihre Beobachtung an die KlassenlehrerInnen zurück. Die Klasse mit den geringsten Beanstandungen erhält eine Belohnung.”
Das nennt man Erziehung zum vorauseilenden Gehorsam durch Verbieten, Überwachen und Melden - und Belohnung für konformes Verhalten. Das Reinigungspersonal und die Hausmeister (wo sind die Hausmeisterinnen?) kommen so trotz ihres unprestigiösen Berufs doch ab und zu in den Genuß des Gefühls von Macht. Eine Sache, die man nicht unterschätzen darf. Belohnt werden also alle: Die Denunzianten durch das Gefühl von Macht und die Konformen durch das Gefühl der richtigen Gesinnung - welche von klein auf anerzogen wird.

Einmal habe ich mich auf ein Gespräch mit einem überzeugten Mülltrenner eingelassen. Das ganze spielte sich im ländlichen Raum ab. Auf meine Aussage “Mir wäre das zu blöd” folgte moralische Entrüstung und eine Abreibung, als ob ich ein rotziger Schuljunge wäre. Dazu ein Vortrag über Tsunamis und Erderwärmung, Waldsterben bis Ozonloch, eben das komplette Paket moderner Religion genannt Umweltschutz. Daß moderne Müllverarbeitungsanlagen den Müll ganz von alleine trennen könnten wurde einfach abgestritten: Das Weltbild muß um jeden Preis bestehen bleiben - der Sinn der eigenen Sinnlosigkeit muß erhalten werden. Die interessanteste Antwort kam auf die Frage: “Was passiert, wenn man es nicht tut? Wird man dann bestraft?” Ganz einfache Erklärung des Mülltrenners: “Jeder kann sehen welche Farbe die Säcke vor dem Haus haben. Wenn ich in einer Woche das nicht richtig mache, dann sagen alle ‘Guckt euch den Huber an! Der trennt den Müll nicht!’” Das war immerhin ehrlich!

Umweltschutz - nur ein Scheinargument? Die Mülltrenner tun es nicht, weil es üblich ist oder Tradition, oder weil es wirklich einen Sinn hat, sondern weil sie Angst haben, der Nachbar könnte sie dabei sehen, wie sie etwas Falsches tun. Daß andere die Regeln einhalten ist wichtig, noch wichtiger ist, daß man sie selber einhält und alle einen dabei sehen! Nicht wichtig ist dagegen das Einhalten von Regeln, von denen man selbst weiß, daß sie der eigenen moralischen Überzeugung dienen, wie zb. das Aufstellen von automatischen Mülltrennungsanlagen, die das Leben erleichtern würden und dem Umweltschutz dienen.
Die Mülltrennung nach deutschem Modell ist eine kollektive Zwangshandlung analer Fixierung einerseits, und andererseits das Substrat einer Gesellschaft, die die totalitären Denkweisen des Verbieten, Melden und Durchführens in sich aufgesogen hat wie keine andere. Anscheinend ist es kein Zufall, daß Deutschland gleich alle beide totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts mit derartiger Begeisterung aufgenommen hat.
Die Gegenwärtige antifaschistische Gesinnung und ihre Durchsetzung - etwa in Onlinediskussionen, aber auch öffentlich - folgt denselben Mustern. Ohne Rücksicht auf Widersprüche hält man an der Gesinnung fest, verbietet, überwacht und meldet alle Abweichler, und seien sie noch so im Recht: Beispeilsweise ist es haarsträubend, daß Feministinnen der Antifabewegung mit Kopftuchträgerinnen gemeinsam gegen Rassismus marschieren. Ginge es wirklich um selbstgewählte, bewußte moralische Entscheidungen wie “ich kämpfe für die Rechte der Frauen”, müßte eine Feministin gegen den Islam auftreten. Für eine Antifa-Anhängerin ist das aber zweitrangig: Die Gesinnung des Multikulturalismus verbietet es ihr, ihrer eigentlichen Überzeugung nachzugehen. Was andere denken ist wichtiger.
Manche besonders politisch korrekte Gesinnungsterroristen flippen regelmäßig aus, wenn sie hören wo ich lebe. Nicht selten geht dann alles bei ihnen durch und es kommen Dinge wie der israelische Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser, oder noch besser, der geplante Holocaust an selbigen.
Mein Lieblingsantwort: Wer erwartet ernsthaft von einem Volk, das nicht einmal zum Dosenpfand fähig ist, weil es so stur, ungehorsam, chaotisch und egozentrisch ist, die kollektive Disziplin, einen geordneten Massenmord zu organisieren, bei dem jeder tut was man ihm sagt und alle stillhalten? Fabriksmord durch Leute, die den Mist nicht einmal in den Container plazieren wollen, weil es ihnen einfach egal ist?
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Sehen Sie noch einmal genau hin:
Mittwoch, 20. Juni 2007 um 22:10
Hi,
ich habe nicht den ganzen Artikel gelesen und möchte daher nicht zu hart urteilen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass das Mülltrennen als Schulung des Umweltbewusstseins wichtig ist, aufgrund einer im Alltag eingebundenen Handlung sogar sehr wichtig sein könnte. Die Deutschen können sagen, dass Sie über Ihre Müllverursachung nachdenken, was kein anderes Land der Welt so stark kann.
Ist das nicht toll? Außerdem wird USA in 30 Jahren den Müll auch trennen müssen und wir vielleicht schon nicht mehr.
Donnerstag, 21. Juni 2007 um 17:39
Hallo auch,
Ich bin ja gar nicht gegen Mülltrennung! Den Müll kann man allerdings auch automatisch trennen lassen, oder dieses Firmen überlassen, die dafür Geld bekommen. Müllverursachung und Umweltbewußtsein hat nichts damit zu tun, daß ein ganzes Volk im Müll wühlen muß und die Nachbarn bespitzelt. Das hat andere Gründe, die ich an der Mentalität festmache.
Dienstag, 30. Oktober 2007 um 19:38
Hallo zusammen,
nichts gegen Mülltrennung oder besser Vermeidung, aber es gibt da noch einen Aspekt, der mir keine Ruhe lässt.
Gedankenspiel:
Wir haben ca 84 Mio Einwohner.
Wenn sich 50 Mio Einwohner täglich nur 1 Minute mit Mülltrennung beschäftigen, dann macht das bei einem 20-Tage Monat 8h am Tag und einem Hungerlohn von nur 5 Euro/Std. eine Summe von 8 Mrd. Euro jährlich!
Die Müllindustrie spart sich durch Mülltrennung quasi nicht nur 8 Mrd. jährlich an Gehältern, sondern verkauft auch noch einen Teil unseres sorgfältig getrennten Müll’s gewinnbringend in’s Ausland (wo er einfach verbrannt wird), dabei ist sie nicht mal gezwungen in Modernisierungen zu investieren, weil ja alle brav trennen.
Und was haben unser Staat oder die Bürger davon?
Volkswirtschaftlich gesehen ist die heutige Mülltrennung kompletter Unsinn, und aus Umwelgesichtspunkten gibt es effizientere und günstigere Lösungen als die bisher umgesetzten, also ist eine grundlegende Reform der Müllentsorgung und -trennung absolut erforderlich.
Mittwoch, 31. Oktober 2007 um 11:49
Danke für diesen sachlichen und interessanten Beitrag.
Mittwoch, 7. Mai 2008 um 10:21
Hallo zusammen!
Ich lebe seit 14 Jahre in Deutschland und trenne und wühle in meinem Müll mehr als die Deutschen selbst. Das tue ich natürlich um als integriert zu gelten und mit Vorliebe, wenn ein Deutscher mir zusieht, belehre ich auch mein Kind in dieser Richtung. Nicht nur, dass Mülltonnen Hunger haben, sondern dass sie Bioesser, Plastikfresser, Papiernascher, Glasmampfer sind, glaubt mein Sohn schon lange nicht mehr und mit zunehmendes Alter überlässt mir die Pflege der verschiedenen Behälter und Eimern. Das tue ich weiterhin, weil ich ja angepasst bin und die deutsche Werte akzeptieren müss, um einen Deutschen Pass zu haben. Am liebsten bringe ich meine verschiedenfarbene Eimern nach draussen, wenn Nachbarn vor dem Haus sich unterhalten und mich vorbeilassen müssen. Dann grüße ich zuckersüß und beschäme alle mit meinem Fleiß.
Allerdings habe ich vor 4 Tage aus Versehen mein Biomüll sammt Tütte in der Restmülltonne abgestellt. Am nächsten Tag um 8 Uhr morgens haben Hausmeister und Hausverwalter an meiner Tür geklingelt und meinen Sohn als “Blöd”, “Hirnlos”, “Missraten” und “Kanakenpack” angeschriehen. Auch mein Erscheinen an der Tür hat wenig genutzt. “Zu dumm um zu sortieren” blieben wir in deren Augen schon. An dem Tag, vor meiner Tür, erlebten die beiden Männer einen Höhepunkt, denn sie bestimmt seit längerem intim nicht hatten. Sie konnten sich in ihrer Macht sonnen, sich in ihre Überlegenheit suhlen….
Ich wagte den Weg zur Polizei und erfuhr, dass ich rein theoretisch den gesammten Müll über die Restmülltonne entsorgen könnte.
Vielleicht sollte ich es ab und an machen? Denn die beiden Herren haben auch im Alter Bedürfnisse; Bedürfnisse, über die kein Pflegedienst spricht, dessen Vernachlässigung aber womöglich Unmenschlichkeit grenzt? Den seelischen Orgasmus sollte ich ihnen gönnen können, oder?
Liebe Grüße!