Arabisches Lexikon: “Es gibt keinen Islamismus, nur Islam”

Die peinlich genau Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus ist in der politisch korrekten Polit-Diskussion keine intellektuelle oder gar wissenschaftliche Erkenntnis, sondern ein moralischer Imperativ. Sie ist Bedingung für die Möglichkeit einer akzeptierten, anständigen, also politisch korrekten, Diskussion über jedes beliebige islambezogene Thema. Doch der Islamismus ist in der arabischen Welt gänzlich unbekannt, wie man im glößten Online-Lexikon nachlesen kann.


Für das Christentum ist der -ismus-Begriff unbekannt. Eine Unterscheidung zwischen Christentum und Christentumismus gibt es nicht. (Was sollte das sein? Christliche Bombenleger, weil eine Jesuskarikatur zu schlimm ausfiel?)

Islamismus ist kein Synonym zu islamischem Fundamentalismus, welcher ja eine wörtliche Auslegung der und starres Klammern an die grundlegenden – fundamentalen - Schriften bedeutet. Fundamentalismus gibt es auch bei den Katholiken, den orthodoxen Juden und vielleicht auch den Buddhisten – wer weiß.

Was ist der Islamismus dann? Dazu braucht man sich nur blind ergoogelte einschlägige Definitionen ansehen wie z.B. auf der Seite für einwanderungswillige Ausländer oder einfach jede beliebige Tageszeitung oder jedes Forum – immer wird schön brav der Islamismus vom Islam differenziert.

Man meint damit eine Art Abspaltung vom Islam, die “radikale Seite” des Islam, eine “Pervertierung” und “Instrumentalisierung” des Islam. Die Selbstmordattentäter und die 9/11-Bomber, das sind Islamisten, während das was im Koran steht der Islam wäre. Beides dürfe man auf gar keinen Fall vermischen, sonst ist man sofort Rassist und Ausländerfeind!

Der Islamismus begegnet einem im vielen Sprachen. Um Definitionen zu finden, benutzt man meistens ein Lexikon. Heute benutzt man dazu das Internet.

Die Wikipedia ist eine offene Enzyklopädie. D.h. jeder der einen Computer hat, kann dort hineinschreiben was er möchte. Eine Moderation gibt es nicht. Die Wikipedia ist kein Lexikon im gedruckten Sinne, das festlegt was richtig ist, sondern ein Sammelsurium von Amateurartikeln und den verschiedenen Versionen der Autoren, von denen sich immer die durchsetzt, die den meisten Konsens bekommt. Was keinen Konsens findet, wird einfach von einem anderen Autor gelöscht, während das stehenbleibt, das niemandem als falsch ins Auge springt. Die Wikipedia ist also wie ein Wörterbuch einer aktuellen Sprache: Sie bildet deskriptiv ab, was der Durchschnitt der Bevölkerung bzw. genauer: der Durchschnitt einer bestimmten Sprachgemeinschaft, für richtig hält. Für jede Sprache gibt es nämlich statt Übersetzungen eine eigene Wikipedia mit anderen Autoren.

In der Englischsprachigen Wikipedia steht unter dem Stichwort Islamismus:

“[Islamism is] …a set of political ideologies that hold that Islam is not only a religion, but also a political system”.

Diese Definition kann man als gängig bezeichnen. So wird das Wort meistens verwendet.

Die deutsche Version bringt Islamismus und islamischen Fundamentalismus unter demselben Stichwort. Die Definition steht nicht, wie in einem Lexikon, ganz zuerst, sondern es geht ihr ein Rattenschwanz politisch korrekten Islamkuschelns voraus, was geradezu archetypisch für den deutschen Umgang mit dem Islam ist:

Der islamische Fundamentalismus ist eine Reaktion auf den Identitätsverlust, den viele arabische Länder durch die Kolonisierung erlebten, und auf eine durch den Westen dominierte Globalisierung, die westliche Werte wie individuelle Freiheit und Säkularismus idealisiert und traditionelle orientalische Werte verdrängen wolle (Wertewandel).

Im Indikativ (!) wird festgestellt, daß der radikale Islam die Schuld Europas, des Westens, also unsere, ist. Wir haben es also verdient, wenn uns Schulbusse um die Ohren fliegen. Diesen Vorlauf finde ich symptomatisch. Die Wikipedia bildet hier Mainstream ab – es scheint sich kein User zu finden, der diesen Absatz ersatzlos streicht! Vielleicht sollte ich es tun?

Endlich, nach so vielen Absätzen voll Selbstgeißelung und Islamversteherei, gelangen wir zur Definition, die wir gesucht haben:

Der Islam ist für Islamisten nicht einfach nur eine Religion; er ist auch eine Form politisch-geistlicher Herrschaft unter der einzigen Autorität des Koran.

Das ist Mainstream – die meisten deutschen Leser werden mit dem Kopf nicken. Doch was bedeutet der Satz “Der Islam ist für Islamisten nicht einfach nur eine Religion”? Er bedeutet, daß es neben dem Islamisten noch einen anderen – den nicht-islamistischen, den “eigentlichen Moslem” – geben müsse, für den der Islam “einfach eine Religion” sei.

Das ist jedoch ein Mißverständnis. Den Unterschied zwischen Politik und privatem religiösen Glauben gibt es nur im Christentum. Im Islam (und im Judentum) gibt es ihn nicht, da dieses eine Gesetzesreligion ist. Inhalt einer Gesetzesreligion ist nicht das persönliche Akzeptieren eines Erlösungsglaubens sondern das Anhaften an alle möglichen Regeln und Vorschriften, die aus Liebe zu Gott eingehalten werden. Ein nicht geringer Teil dieser Vorschriften sind zivil- und strafrechtlicher Natur. Kurz: Islam und Judentum haben beide die inhärente Möglichkeit, den gesetzlichen Rahmen für einen Staat zu bilden. Im Judentum wird dieses glücklicherweise auf ewig der feuchte Traum einer radikalen Minderheit im Promillebereich bleiben – welcher außerdem nur auf das winzige Israel und Juden beschränkt bleibt – , während es in der islamischen Welt Realität war und ist. Islamische Staaten, also Staaten mit der Scharia als Gesetz, existieren. Der real existierende Islam ist da draußen verwirklicht. Und vor gar nicht allzulanger Zeit war halb Europa ein solcher.

Inhalt der islamischen Religion war und ist es, die gesamte Welt in das Haus des Friedens zu verwandeln – das ist dort, wo der Islam herrscht. Der Rest der Welt ist das Haus des Krieges.
Während die Missionstätigkeit des Christentums darauf abzielt(e), den Menschen einen anderen Glauben zu bringen und ihnen ihre weltlichen Gesetze zu lassen (früher auch mit Gewalt), möchte der Islam der Welt seine Gesetze bringen, aber läßt den Unterworfenen den Glauben – welches immer noch als “Toleranz” mißverstanden und umgelogen wird, wie zum Beispiel in einem sehr dhimmigen Aufsatz auf der Seite der evangelischen Kirche:

Trotz eines verbreitet bestehenden Druckes, zum Islam überzutreten, gab eine gewisse Toleranz der Osmanen gegenüber Nicht-Muslimen, insbesondere gegenüber den “Leuten des Buches”, also Juden und Christen. Die Schutzgarantien gegenüber diesen Minderheiten waren dabei an die Anerkennung der islamischen Herrschaft geknüpft.

(Der “Schutz” bestand im Zahlen einer Kopfsteuer: Wer nicht zahlte und nicht zum Islam übertrat, wurde getötet.)

Langsam fragt man sich nun wirklich: Wie sieht die arabische Welt den Begriff Islamismus?

Zum Glück gibt es heute Google und seine Übersetzungstools. Durch sie ist es jedem möglich, arabische Webseiten zu verstehen. Niemand kann uns mehr ein X für ein U vormachen! Surft man nun von der englischen Wikipediaseite zum Stichwort “Islamism” auf den Link mit den arabischen Kringeln kommt man auf die arabische Seite zum selben Stichwort. jetzt werfen wir Google Translate an und gelangen auf diese Seite. Die “Übersetzung” ist eine reine Katastrophe, aber sie reicht vollends, um den Sinn grob zu verstehen. Mehr ist auch nicht nötig.

Political Islam: The words of a political and media term used to describe the changing political movements believe in Islam as a method of life, He used intensively following the events September 11, 2001. This term was used frequently in the propaganda campaign for the pan The war on terrorism.

Wir machen hier also gleich mehrere reizvolle Entdeckungen:

Das Wort Islamismus - wo doch Islam ein arabisches Wort ist! – existiert also gar nicht in der arabischen Sprache. Es wird mit “politischer Islam” umschrieben. Das Wort Islamismus wird im innerislamischen Dialog weder gebraucht noch verstanden sondern wird als ein fremder, von außen oktryoierter Begriff empfunden, der durch westliche Propaganda geprägt wurde.

Es wird auch gleich eine Erklärung mitgeliefert, warum der Begriff Islamismus so sinnlos ist:

Where Islam is the religion historically only been able to spread in the era of the first to form the nucleus of social institutions and political and service both domestic and external Unlike other religions, which has been unable Messoa religion beginnings of the formation of the State.

Offenbar geht es darum, daß der Islam bereits zur Zeit seiner Verbreitung den Kern sozialer Institutionen und politischer Einrichtungen dargestellt hat – etwas was sich den Vorgaben einer Gesetzesreligion deckt.

Es wird noch deutlicher:

The western concept of political Islam can be defined as a set of ideas and political goals stemming from the Islamic Sharia And used by the group called Western media, “Muslim extremists” who believe that Islam Not a religion, but a system of political, social, legal and economic reform to build the institutions of the state.

Laut arabischer Mehrheitsmeinung ist es westliche Propaganda, die den Begriff “islamische Extremisten” erfunden hat. Er steht in Gänsefüßchen! Der “Islamismus”, also die distinkte Abgrenzung eines politischen Islams vom religiösen, ist ist ein westliches Konzept.

Liebe politisch Korrekten, liebe Islamversteher und Gutmenschen: Respektiert endlich den Islam und übernehmt islamische Terminologie. Hört auf damit, auf den Islam in postkolonialer Arroganz westliche Propagandabegriffe zu oktroyieren!

Nicht nur friedliche betende Moslems in den deutschen Moscheen sind Islam. Auch Selbstmordattentäter werden von der arabischen Mehrheitskultur als integraler Bestandteil des Islams wahrgenommen. Der Begriff “islamische Extremisten” enststammt westlicher Propaganda! Aus der Sicht der Araber sind sie einfach Moslems.

Es gibt keinen Islamismus – nur Islam. Wer es nicht glaubt, sieht einfach in ein arabisches Lexikon.

3 Antworten zu “Arabisches Lexikon: “Es gibt keinen Islamismus, nur Islam””

  1. Die Pipi-Langstrumpfisierung des Denkens » Gegenstimme sagt:

    [...] “Schokoküsse“, “Soziale Marktwirtschaft”, “Islamismus“, “Anders Begabte” (oder “Menschen mit besonderen Fähigkeiten”), [...]

  2. Sascha sagt:

    Hallo,
    ich bin über google auf diesen Blog gekommen und über diesen Artikle gestolpert.
    Ich habe meine Magisterarbeit über Islamismus geschrieben und muss Dir leider sagen das Du in vielen Punkten unrecht hast. Da ich auch Arabisch studiert habe ist mir die Sprache doch recht vertraut und den Begriff Islamismus gibt es sehrwohl im Aabischen, sogar als Selbstbezeichnung. Dies sind Personen die nach einem islamischen Staatswesen nach konservativer Leesart streben. Bereits Ende des 19Jh. haben sich die Denker und Anhänger der Salafiya als Islamisten bezeichnet.
    Auch kann ich Dir nicht Recht geben wenn Du sagst das Attentäter Bestandteil der muslimischen Gemeinschaft wären. Wenn Du das nähere Umfeld meinst, also weitere Terroristen sicherlich, aber wenn Du die GEsamtheit einer Gesellschaft meinst dann definitv nicht.
    Im übrigen ist der Begriff Fundamentalismus in keiner Art und Weise geeignet das Phänomen Islamismus zu beschreiben, da dieser aus einem christlichen Kontext stammt.
    Nur mal soviel dazu!

    Grüße

    Sascha

  3. schmetterlingsfrau sagt:

    Lieber Sascha,

    Magister wie dich braucht Europa. G’studierte Leut, die allen zeigen, daß man Islamismus nicht beschreiben darf, ihm bloß nicht Unrecht tun darf (sonst knallt’s – obwohl Terrorismus gar nicht Teil dieser Gesellschaft ist?), und am besten gleich zeigen, daß er gar nicht existiert. Soviel dazu!

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