Was würde man auf einem Israelreiseführer als Einbandfoto erwarten? Beispielsweise könnte man die “Klagemauer” nehmen, oder die Menora vor der Knesset? 80% der Einwohner des Landes sind ja Juden, das Land ist als jüdischer Staat gegründet worden. Würde also als “typisch israelisch” passen, nicht wahr?
In der Tat nimmt der Baedeker Allianz Reiseführer dieses Motiv für den Einband.
Doch wenn man die Google-Bildersuche nach “Israel Reiseführer” anwirft, kommen mehrheitlich andere Bilder. Der Baedeker scheint fast der einzige Reiseführer zu sein, der ein jüdisches Motiv ausgewählt hat.
Na gut, kann man denken, die meisten Deutschsprachigen, die nach Israel reisen, sind Christen auf Pilgerreise, haben also ein spezielles Interesse am christlichen Aspekt des Landes. Deswegen werden wohl Kirchen abgebildet sein, denn das Heilige Land ist eben heilig - auch für Christen. Aber dem ist nicht so! Eine einzige Kirche habe ich auf den Einbänden gefunden, und die auch nur als Teil des Bildes.
Das beliebteste Motiv für Israelreiseführer ist anscheinend der Felsendom (dort als “das wohl bekannteste Wahrzeichen Jerusalems” bezeichnet). Er ist ein islamisches Gebäude, errichtet als Trimphbau, erinnernd an den Sieg des Islams über Christentum und Islam. Er steht auf dem Tempelberg, dem heiligsten aller heiligen Orte im Judentum.
Der Blick über die “Klagemauer”, mit Felsendom und Al Akza Moschee im Hintergrund wäre tatsächlich ein klassisches Israelmotiv gewesen - den Konflikt und die unmittelbare Nähe der Religionen symbolisierend. Man sieht auf den Reiseführern aber nur die Moschee - entweder als prominenter Mittelpunkt eines Stadtpanoramas von Jerusalem oder noch besser mit dem Eingangsbogen zur Moschee im Hintergrund und ein paar islamischen Kopftuchfrauen im Vordergrund. Das ist Israel!

An diesem winzigen Flecken Erde, auf dem der Bau steht, fokussiert sich der gesamte Nahostkonflikt. Das Trimphsymbol Felsendom steht dort nach wie vor - es wurde nicht (wie umgekehrt) von Israel geschleift, als Jerusalem erobert worden war. Die Moslems haben dort vollen Zugang. Sie haben sogar soviele geistige Anrechte internalisiert, daß ein Besuch eines Juden dort eine Intifada auslösen kann. Und dieses Symbol arabischen Triumphs, dieses Insignium der palästinensischen Ansprüche, das jede einschlägige Webseite ziert, prangt auf 11 willkürlich ergoogelten Reiseführern, darunter bekannte große Verlage.
Und selbst wenn wir die politische Dimension weglassen:
Welches Motiv würde man auf dem Einband eines Italienreiseführers erwarten? Etwa die Große
Synagoge von Rom?

Was würde man auf einen Deutschlandreiseführer abbilden? Etwa die Yenizde-Moschee in Dresden?

Ins jüdische Land reisen - Moscheen besichtigen!
Mittwoch, 16. Mai 2007 um 9:21
Dummheit / Unwissenheit der Redakteure? Übertriebene PC? In der Tat sehr merkwürdig um nicht zu sagen beschämend…
Donnerstag, 19. Juli 2007 um 13:42
Hallo!
Ohne auf die Inhalte (habe im Moment wirklich wenig Zeit - finde Ihre/Deine Seite aber interessant) einzugehen: nur eine Frage! Ich mache eine kleine Mitgliederschrift für meinen SPD Ortsverein und benötige ein Bild vom Felsendom. Darf ich Ihre/Deine POhotographie benutzen + wenn Sie/Du Zeit haben/hast: Was genau ist auf der Abbildung zu sehen.
Vielen Dank im voraus.
Norbert M. Schäfer
Donnerstag, 19. Juli 2007 um 14:09
Das sind Ausschnitte aus Titelseiten von Reiseführern! Diese bitte nicht in irgendwelchen Publikationen einfach benutzen, denn das ist eine Copyrightverletzung. Und schon gar nicht mich in einem SPD-Flyer mit Felsendom erwähnen, vielen Dank! Es gibt im Web garantiert freie Bilder noch und nöcher von diesem schönen Gebäude.