Nach einenhalb Stunden Fußmarsch entschloß ich mich, in einem Hotel etwas zu trinken. Am Jom Kippur ißt und trinkt man nichts für 25 Stunden. Und man geht zu Fuß.
Am Abend des Jom Kippur brachen wir, ich und mein Mann, zu Fuß zur Innenstadt auf. Der Weg dauert ca. eine Stunde. Die Straßen waren gefüllt mit Menschen - Fußgänger, Kinderwägen, Fahrräder und Rollerblades. Aber kein Motorengeräusch. Am Jom Kippur fährt niemand mit dem Auto.
Obwohl der Sommer sich zu Ende neigte, war es noch immer sehr feucht. Der Fußmarsch war anstrengender als ich dachte. Wir entschlossen uns, in eine Hotellobby zu gehen und etwas zu trinken. Dieses war die einzige Möglichkeit an Wasser zu kommen. Alle Geschäfte und alle Restaurants und Cafés hatten zu.
Wir waren beide weiß gekleidet, wie es an diesem Tag üblich ist. Mein Mann trug eine Kipa, wie es auch viele tun. Sonst trägt er nie eine, da er nicht religiös ist.
Am Eingang gehen wir am Sicherheitsbeamten vorbei, und ich laufe schnurstracks zur Toilette, drehe den Wasserhahn auf und trinke hastig das scheußlich schmeckende Wasser… Ich war sehr durstig.
An der Rezeption stand ein Mann und grüßte freundlich - er dachte wahrscheinlich wir hätten hier ein Zimmer. In einem Hinterraum saß jemand am Computer und rauchte. Mein Mann fragte, ob man hier etwas zu trinken kaufen könnte. Der offensichtlich arabische Angestellte machte große Augen. Dann kauften wir tatsächlich zwei Flaschen Cola. Erst dann bemerkte ich, daß mein Mann immer noch seine Kipa aufhatte. Ich sagte es ihm, er fuhr zusammen und nahm sie sofort ab. Der Angestellte hatte es bemerkt und lachte. “Nächstes Mal kommen Sie doch gleich in unser Dorf.” Ja, vielleicht wäre das ehrlicher gewesen.